4. Internationale Hamsun-Konferenz.

Tromsø Universität 20.-21. September 2007

"Intet er som at bli pustet på av det levende liv" Auf überwachsenen Pfaden.

Ort: Auditorium E 0101, Geisteswissenschaftliche Fakultät.

Teilnahme frei, Anmeldung an henning.waerp@hum.uit.no

Das Universität von Tromsø veranstaltet jedes vierte Jahr eine internationale Hamsun-Konferenz, die Erste fand 1995 statt, die Andere in 1999 und die Dritte in 2003. Die Vorträge sind in den Büchern Hamsun i Tromsø I, II und III veröffentlicht.

"Bent Lie har Ret: Tromsø Stift er et Æventyrland. Det er et Æventyrland som Alverden rejser for at se. Ja om Sommeren, vil man svare. Ogsaa om Sommeren. Landet er det samme Aaret rundt, det er bare Varmen og Lyset som skifter, der blir en koldere og mørkere Tid - akkurat som alle andre Steder i Verden. Og Vinter som Sommer er Tromsø Stift et Æventyrland." Knut Hamsun.

Es ist wie immer in einer ganz spezielle Stimmung, dass ich Kurs Richtung Tromsø nehme, es gibt etwas an dieser sehr lebensfrohe und aktive Stadt, etwas was einem reizt und alles in einem besonderen Licht rücken läßt. Als ich meinen Koffer packte, musste ich an der Konferenz in 2003 denken, wo ich mit viel zu dünne Kleider und Schuhe abgereist war. Nein, dass sollte mir diesmal nicht passieren, also war der Koffer mit dicken Pullovern und Stiefel gefüllt. So war ich auf alles gut vorbereitet, dachte ich, aber das Wetter das Martin aus Prag und mir erwartete als wir aus dem Flugzeug kamen, war weder Schnee noch Kälte sondern Regen wie aus Kübeln und mein Regenschirm lag selbstverständlich zuhause. Wir sputeten uns also zur Auto und Nils Magne, der uns abholte und ins Hotel brachte. Drinnen machten wir es uns gemütlich und wartete, wer von den lieben Hamsun-Bekannten auch an der Konferenz teilnehmen wollte. Eine der ersten war Olga aus Georgien, es wurde ein herzliches Wiedersehen, wir waren gerade in Grimstad zusammen gewesen.

Ich und mehrere andere waren ein Tag vor der Konferenz gekommen, damit wir Zeit hatten uns die Stadt an zu sehen und die Stimmung loten. Bald befand ich mich auf Storgata, die Hauptstrasse mitten in der Stadt. Mein Ziel war die Gedenktafel an Storgata 106, heute ein Bioladen. Hier lag aber in 1877 das Geschäft von Buchhändler Urdal und hier kam jung Knud Pedersen um sein erstes Werk "Den Gaadefulde" - Der Rätselhafte - verlegt zu bekommen. Dieser Ort versprüht einfach Geschickte. Wenn Hamsun erleben würde, welchen Preis wir heute für ein Exemplar dieses Buches hätte bezahlen wollen...

"Tæt ved en liden skovbekrandset Høi, ved hvis Fod en lille Aa snoede sig gjennem den fagre Eng."

Nein, der Anfang von Hamsuns erster Roman ist nicht in die Geschickte eingegangen wie der Anfang von "Hunger", der in 1889 Hamsun berühmt machte. Wer erinnert nicht die Zeilen "Det var i den Tid jeg gik omkring og sultet I Kristiania, denne forunderlige By som ingen forlater før han har faat Mærker av den.."

Aber zurück zur heutigen Tromsø, wo alle Referenten und Organisatoren und ich einen herrlichen Fisch-Essen in Restaurant "Skarven" genossen und wo die Gespräche über alles und ins besondere über unser Lieblings-Thema Hamsun blühten.

Voller Erwartung fuhren wir am nächsten Morgen zur Universität, wo wir die nächsten Tage hören, diskutieren und uns in die Hamsunsche Welt hinein bewegen sollten.

Es wurde eine hervorragende und sehr interessante Konferenz mit einer sehr guten Stimmung. Die interessante Vorträge waren da, aber auch die Pausen, wo die Debatte liefen, waren ungeheuer wichtig. Alles war also optimal, aber zu meiner Überraschung waren nur wenige Studenten oder andere Zuhörer anwesend, wir waren nie mehr als 22 Leute im Saal! Das ist sehr bedauernswert, da alle Vorträge sehr interessant waren. Es gab ins gesamt 13 Referenten und ich kannte 9 von früher, so es war wie in einer richtigen Familie. Wir hatten Vorträge von allen möglichen und un-möglichen Themen innerhalb Hamsuns Werke, ja einer der Themen hieß: SCHUHE: Über die (un-) Zuverlässigkeit von Kleidung in Knut Hamsuns "Auf überwachsenen Pfaden" und Heideggers "Der Ursprung des Kunstwerks". Dann flogen die Hamsun-Zitate, Schopenhauers Philosophie und ähnliches über die Tische. Auch am Abend über Essen und Wein wurden gequatscht und gelacht.


Nach den inspirierenden Vorträge des ersten Tages waren wir zu einen kalten Fisch-Buffet in Nils Magnes Hütte eingeladen, und neben den guten essen, den guten Wein und die gute Stimmung, dann gab es auch das wunderbarste Polarlicht! Ein Paar der Teilnehmer hatten sogar noch nie das Polarlicht gesehen z.B. Olga Zhgenti aus Georgien und Martin Humpal aus Prag.

Nils Magne Knutsen (UiT): "Hamsun in Nord-Norwegischem Kontext". Keiner versteht es wie Niels-Magne uns mit in die Nord-Norwegische Welt zu nehmen, keiner kann wie er erzählen wie die Menschen aus dem Norden in Süd-Norwegen empfunden wurden.


Niels-Magne Knutsen und Martin Humpal Ein enthusiastischer Teilnehmer und großer Hamsun Verehrer Halvard Nesby

Lars Frode Larsen (Gyldendal): "Die neue Hamsuns Gesammelte". Ein zufriedener Lars Frode Larsen berichtete über die Arbeit beim erneuern und redigieren von Hamsuns gesammelten Werken. Als Basis dient die 1934 Ausgabe.

Nina Frang Høyum (Das Hamsun Zentrum): "Das Hamsun Zentrum: Herausforderungen bei der Vermittlung eines Autoren-Werkes". Es war spannend über alle Pläne zu hören und es wird unglaublich spannend zu sehen wie die Herausforderungen gemeistert werden.

Tomas Fechner-Smarsly (Universität von Bonn): "SCHUHE: Über die (un-) Zuverlässigkeit von Kleidung in Knut Hamsuns "Auf überwachsenen Pfaden" und Heideggers "Der Ursprung des Kunstwerks". Hier gingen meine Gedanken an etwas Hamsun schrieb über Schuhe in einem Brief an Wenzel Hagelstam 3. Januar 1905: "Jeg var i København Lillejuleaften og da gjorde jeg meget galt, naturligvis. Jeg drev det til at bytte sko med en fremmed Mand midt paa Kongens Nytorv."

Olga Zhgenti (Universität von Tiflis, Georgien): "Knut Hamsun and Georgian modernizm. About Hamsun´s play play "LIVET IVOLD", which was staged by the Georgian theatre and film director Konstantin Marjanov in the Moscow ART Theatre in 1910". Olga Zhgenti, die Hamsun so liebt dass sie einen Film über ihn gedreht hat, erzählte welch ein Erfolg "Livet i vold " in Moskau bekam. Dann sahen wir ihren Film, sehr spannend wie sie den Einfluss der Reise nach Kaukasus auf Hamsuns Leben interpretierte.
Film: Olga Zhgenti (Tiflis): "Knut Hamsun's Caucasian Mysteries" (Dokumentarfilm, 87 Min.).

Linda Hamrin Nesby (UiT): "Landstreicher und Schelmen". Wie immer war es ein großes Vergnügen Linda zu hören. Sie hat einen riesigen Einsicht in Hamsun.

Henning Howlid Wærp (UiT): "Mysterien und Symbolismus". Henning nahm uns mit auf einer Wanderung in die Welt der Symbole, wieder ein hervorragender Referent und Hamsun Kenner.

Martin Humpal (Karlsuniversität, Prag): "Hamsuns Mysterien als Anti-Roman". Ein sehr interessanter Vortrag, der viele Gedanken hervor brache. Unglaublich von wie viele Perspektive aus man einen Roman lesen kann.

Sigrid Combüchen (Lund): "Hand und Geist". Aus dem Blick eines Hamsun-Biographen. Eine hoch interessanter Beitrag von jemand, der eine etwas andere Hamsun-Biographie geschrieben hat und endlich hat sich eine Frau mit diesem Thema befasst.

Hanna Eglinger (Universität von München): "Eigentlich hat es ohne Anfang begonnen": Ansiedlung als Öffnungskonzept in Segen der Erde. "Der lange, lange Pfad" als zweideutiger Öffnungsmarkierung. Meine Gedanken gingen an Knut Hamsun, was hätte er zu den Unmengen von Artikeln, Vorträge und Gesprächs-Themen um gerade "Segen der Erde" gesagt? Er hatte sich vermutlich gefreut über den Ideenreichtum der aus dieser Quelle gesprungen ist.

Even Arntzen (UiT): "Verfilmungen von Hamsuns Romane". Ein ungeheuer spannendes Thema, das Even uns auf vorbildlicher Weise erblicken ließ.

Michael Schmidt (UiT): "Bild und Text: Oskar Kokoschkas Pan-Illustrationen". Diese Bilder muss man einfach sehen, die sind fabelhaft und setzt die Phantasie in Bewegung.

Abschluss-Essen in der Fakultät für Referenten und Teilnehmer. (Einbegriffen). Über Krabben und Weißwein konnten wir wieder richtig diskutieren und wieder hatte ich das Gefühl mich mitten in einer großen Familie zu befinden, wir sind alle unterschiedlich aber wir haben eins gemeinsam: Unsere Liebe zu den spannende und Vielseitige Knut Hamsun.

Die Webseite der Hamsun-Abteilung der Universität von Tromsø: http://uit.no/humfak/hamsun-gruppa/1

Der allerletzte Abend mit Krabben und Wein in der Uni. Ein herzliches Danke Schön an den Veranstaltern für hervorragende Beiträge. Jedes Mal reise ich nach Hause mit dem wunderbaren Gefühl, geschickten und engagierten Menschen getroffen zu haben und alle haben sie beigetragen, dass das Verständnis von Knut Hamsun sich noch erweitert. Vielen Dank an Allen!

 

© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at