Hamsun Seminar in Tromsø 2003.

Stille og tyst allevegne. jeg ligger utover kvælden og ser ut av vinduet. En Feglans hvilte på denne tid over mark og skog, solen var gåt under og farvet horisonten med et fett, rødt lys som stod stille som olje, Himlen var overalt åpen og ren, jeg stirret ind i dette klare hav og det var som om jeg lå ansigt til ansigt med verdens bund og som om mit hjærte klappet inderlig imot denne bare bund og var hjemme der.
Knut Hamsun ( Pan )

"Tid og rom i Hamsuns forfatterskab" (Zeit und Raum in Hamsuns Werke) lautete die Einladung zum 3. Internationalen Hamsun Seminar in Tromsø 25.-27 September, dritten vielleicht aber ersten für mich. Obwohl ich seit 1996 versuche alle Hamsun Veranstaltungen zu besuchen, muss ich mich ab und zu begnügen nur in Gedanken anwesend zu sein. Hart!!
Wie immer sitze ich hier und weiß nicht so richtig wie ich den Bericht anfange, ich beneide die Menschen sehr, die alles aus dem Ärmel schütteln können.
Aber mit Wörtern kann man doch arbeiten, ich wünsche mir, dass es auch mit Fotos möglich wäre, meine Güte welch ein schlechter Fotograf ich diesmal war, statt die Seite hier zu erhellen sind die Fotos sofort in die Schublade gelandet, die waren Preis verdächtig für die schlechtesten Bilder des Jahres.

Ich hatte ihr ja geraten eine bessere Kamera zu kaufen!

Aber was für unglaublich schönen Erlebnisse habe ich gehabt, die wunderschöne Landschaft, die schneebedeckten Berge die im hellen Licht strahlten oder sich hinter Nebel, Regen oder Schnee verbargen, die Sonne die sich zeigte um wieder mit meinen Sinnen zu spielen. Alles aber nur Hintergrund für das Wichtigste: sich im warmer Gemeinschaftligkeit in Hamsuns Dichtung zu treffen.

Tromsø begegnete mich mit Schnee und Graupel, ich sah verzweifelt meine Schuhe an, die viel zu warm und feste aussah in 27° warme Karlsruhe, jetzt schlich die Kälte sich durch die dünnen Sohlen nach oben. Der wollige Pulli, der beim Koffer packen an Hitzschlag erinnerte, sah jetzt dünn und sommerlich aus, um es kurz zu machen: nach dem Frühstück war shoppen nach Winterkleidern angesagt. Ich war ein Tag vor dem Seminar eingetroffen, wollte Zeit haben Tromsø zu erkunden, das Roald Amundsen Denkmal streicheln und die Nordnorwegische Stimmung ein zu atmen. Ich werde die Gastfreundschaft, die mich gleich nach der Ankunft traf, nie vergessen: Einladung zu Waffeln und Kaffee in Nils Magne Knutsens Hütte, Essen, Fischfrikadellen und Rotwein und ein gutes Gespräch bei Nils Magne und Astrid, bevor ich zurück ins Hotel gebracht wurde. Hier fanden sich die Referenten einem nach dem anderen ein. Martin Humpal aus Prag saß schon alleine im Hotel, mit ihm bekam ich ein gutes Gespräch, bevor ich schlafen ging, eine neue interessante Bekanntschaft war gemacht.

Ich genieße die Aussicht vor Nils Magnes Hütte.

Am nächsten Tag kamen Referenten an, einige kannte ich andere noch nicht, das Wetter war nicht ganz freundlich, so für die freien Stunden vor dem Seminaranfang lockten Bücher mehr als Wanderungen ins Gebirge in Schnee und Nebel. Hamsuns Gedanken im Druck, herrlich, aber was ist mehr aufmunternd als eifrige Diskussionen über Hamsuns phantastische und sprudelnde Talent mit gleichgesinnten Literatur Liebhabern wie ich es in den nächsten Tagen erlebte, dann fühle ich mich wie Fisch im Wasser.

Erwartungsvoll setzte ich mich mit den anderen Literatur Enthusiasten und horchte Even Arntzens Eröffnungsrede. Wir sehnten uns alle herein geführt zu werden in den verschiedensten Gedanken und Überlegungen zu Hamsuns phantastischer Dichtkunst. Tromsø Universität ist ja DIE Kapazität wenn es um Hamsun Forschung geht.

Es war Even gelungen den viel beschäftigten Ingar Sletten Kolloen, der zur Zeit im ganzen Norwegen herum reist, Vorträge hält, Bücher signiert und Werbung für sein großer Hamsun Biografie „Svermeren" (Der Schwärmer) macht, zu verpflichten. Er gab einen gut aufgelegten Einblick in der Arbeit mit „Knut Hamsun og det biografiske rom" (Knut Hamsun und der biographische Raum).

In Hamsun Stimmung versetzt, ließ Svenn B. Syrin aus Børn av tiden og det vilde kor (Kinder ihrer Zeit und Der wilde Chor).

Dann gingen die Gespräche weiter über Weißwein und Snacks, was nun mehr Appetit hervor rief weshalb einige von uns in die Stadt fuhren zur "Skarven", wo wir Körper und Geist fütterten mit gutem Essen und Getränke sowie Debatte über - ja wer wohl - ausnahmsweise Hamsun!

Der nächste Tag fing mit einem Vortrag von Assistent Professor Martin Humpal, Prag: "Tid i Hamsuns sakprosa" (Zeit in Hamsuns Prosa) an. Ein äußerst wohl vorbereiteter Vortrag in schönster Norwegischer Sprache vorgetragen.

Martin Humpal

Nein, ich habe keine Notizen oder Resümees von den Vorträgen gemacht, die können später im Jahr in Extenso gelesen werden, da die als Buch erscheinen wird. Ich habe selber viel Freude gehabt an diese Bücherreihe vom Hamsun Gesellschaft heraus gegeben mit all den interessanten Vorträgen, die im Laufe der Jahre gehalten worden ist. Hiermit am herzlichsten empfohlen.

Assisant Professor Anne Sæbø, St. Olaf College USA: „Syklisk tid og panteistisk rom i Hamsuns religionssyn" (Zyklische Zeit und panteistischer Raum in Hamsuns religiösen Ansichten), ein Vortrag worauf ich besonderes gespannt war, da ich mit Anne über 3 Jahre lang korrespondiert habe und ihr hervorragende Dissertation "The ubermensch comes to Scandinavia: Rereading Hamsuns and Dinesen in the light of Nietzsche´s philosophy" in meiner Sammlung habe mit einem persönlichen Gruß. Ein hervorragender Vortrag mit Verstand und Charme vorgetragen.

Stipendiat Linda Nesby, Tromsø: „ Krono-bio-topos. En studie av tidens betydning i Markens Grøde" (Krono-bio-topos. Eine Studie über die Bedeutung von Zeit in Segen der Erde). Ist es nicht unglaublich auf was man fokusieren kann in Hamsuns Werken, ein spannender Ansichtspunkt. In meiner Sammlung habe ich viel Freude gehabt an Lindas Diplomarbeit „Livets roman og døden som siste kapitel. En analyse av Knut Hamsuns roman Siste kapitel 1923 med utgangspunkt i begrebet ironi" mit Lindas persönlichem Gruß.

Anne Sæbø Linda Nesby

Mittagspause, wichtig ist nicht nur den Geist zu ernähren, der Körper muss auch gestärkt werden. Die Pausen werden insbesondere auch dazu genutzt Ansichten und Meinungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Førsteamanuensis Even Arntzen, Tromsø: "'Ingen døre blev låset av for mig.' Student Parelius og det voyuristiske rom" ('Für mich wurden keine Türe verriegelt.' Student Parelius und der voyurischer Raum). Wie immer lieferte Even ein sprudelnden und spannenden Vortrag.
Man fühlte sich fast selber als unsichtbarer Zuschauer beim intensen Treffen Baronin Edvardas und Gilbert Lapps am See.

Assistant Professor of Norwegian Troy Storfjell, University of Colorado: "Samene i Markens grødes kartlægning av en (umulig) idyl" (Die Lappländer in Segen der Erdes Kartografierung einer (unmögliche) Idylle). "Den lange, lange Sti over Myrene og ind i skogene, hvem har trakket op den?" (Der lange, lange Pfad über den Mooren und in die Wälder, wer hat den getreten?) beginnt Hamsun seinen Roman und wen sehen wir automatisch vor uns? Richtig Isak, aber hier bekamen wir einen interessanten Vortrag, wo die Lappländer hervortraten den Pfad folgend lange bevor Isak!!

Professor Per Thomas Andersen, Oslo hielt den letzten Vortrag des Tages mit dem Titel "Stedets monogami. Sellanrå nok en gang" (Die Monogamie des Ortes. Wieder Sellanrå), ein herrlicher Vortrag gewürzt durch Dias mit u.a. die hübschen Blumen des Malers Emil Nolde, die hervorragend ins Vortrag passten.

Troy .Storfjell

Der Universitätsbuchhandel hatte zu einer Verkaufsausstellung von Hamsuns Bücher eingeladen und servierten Drinks. Ein schneller Blick, ja ich hatte alles in meiner Sammlung, so die Gelegenheit wurde genutzt gute Hamsun Diskussionen zu führen über Wein und Snacks. Das Wetter war jetzt hervorragend geworden mit Sonne über Schnee bedeckte Berge.

Der Tag war aber noch nicht zu Ende, um 20 Uhr gab es Essen und nochmals gute Gespräche in einem Restaurant in der Tromsøer Innenstadt. Ich weiß nicht wie, aber die Zeit läuft noch schneller in guter Gesellschaft, so es war mehrere Stunden später als ich das Hotel wieder fand.

Immer noch schönes Wetter, der erste Vortrag bot Dänische Töne an: Førsteamunuensis Elisabeth Oxfeldt, Oslo: (in Dänemark geboren) "Ingen-steder i Hamsuns orientalske rejseskildringer" (N-irgendwo in Hamsuns orientalischen Reiseerzählungen), ein feuriger Vortrag der uns mit auf Hamsuns Reiseerlebnisse und die Unterschiede zwischen Im Märchenland und Unter den Halbmond nahm.

Professorstipendiat Henning H. Wærp, Tromsø: "'Aspene i utmarken' Om Edevarts stedstap i Hamsuns Landstrykere (1927) og August (1930)" ('Die Espen in der Einöde' Über Edevarts Ortsverlust in Hamsuns Landstreicher und August Weltumsegler). Der Titel hat ihm dazu angestiftet (vergeblich) nach Espen in der Umgebung von Tromsø zu suchen, eine humoristische Einleitung zum eleganten Vortrag über Hamsuns zwei bekannte Charaktere, Edevart und August.

Professor Steinar Gimnes, Trondheim: "Skogen som `rom` hos Hamsun" (Der Wald als "Ort" in Hamsuns Werke). Hier wurden wir auf einer Waldpartie durch einige von Hamsuns Romane mitgenommen, haben Sie daran gedacht wie viel Platz Der Wald einnimmt in Hamsuns Werke? Nicht wahr!

Wieder eine wohlverdiente Mittagspause wo die literarischen Diskussionen weiter geführt wurde. Das Wetter immer schön und die Aussicht atemberaubend für jemand, der in einem Land geboren ist wessen höchster Punkt 178 Meter ist. Das etwas so wunderschön sein kann!

Førsteamanuensis Atle Skaftun, Høgskolen i Stavanger: "En skikkelse i et occult landskab: Omkring Hamsuns Børn av tiden" (Eine Figur in einer okkulten Landschaft: Über Hamsuns Kinder ihrer Zeit). Ein Vortrag der mich an Atles neulich erschienene Doktorarbeit: "Knut Hamsuns dialogiske realisme. En studie av Børn av tiden, Nabobyen og På gjengrodde stier med særlig fokus på autorposisjon, plot og personer". Auch in meiner Sammlung mit Atles persönlichen Gruß.

Førsteamanuensis Britt Andersen, Trondheim: "Intertekstualitet og modernitetskritikk i Hamsuns roman Ringen sluttet". Dieser Vortrag hörte ich mit besonderer Freude an, weil ich Britt schon in Hamarøy im Jahre 2000 gehört habe, seitdem mit ihr im Briefwechsel stehe und bewundere ihre Ansichten bezüglich Hamsuns Frauenfiguren, die sie in einer anderer Perspektive sieht als die meisten Forscher.

Das letzte Wort bekam Literaturkritiker Øystein Rottem, Kopenhagen: "Handelens og poesiens sfære i Ny Jord." (Die Sphäre des Kommerzes und der Poesie in Neue Erde), einer meiner Lieblingsromane obwohl man es zu Hamsuns weniger Gelungene rechnet. Øystein, immer eine Vergnügung an zuhören, schafft es wie wenige Andere uns in Hamsuns Welt hinein zu führen. In meiner Sammlung Zuhause freue ich mich über eine Reihe von Büchern und Artikeln aus Øysteins Hand mit den unterschiedlichsten Themen wie Kopenhagen, die Hurtigrute, Schnaps, Lustlesungen und Phantasie nur um ein Paar Titel zu erwähnen, alle mit persönlichem Gruß.

Øystein Rottem

Ich fand es außerordentlich spannend mit drei sehr unterschiedliche Vorträge zu Segen der Erde, ich wünschte mir ein Seminar mit Themen nur zu einem einzelnen Werk, vielleicht nicht realisierbar konnte aber sehr interessant werden!

Even Arntzen konnte sehr zufrieden sein und dankte für die herrliche und ergebnisreiche Tage, für diesmal Schluss, ja nicht ganz, alle die Lust hatten trafen sich wieder in einem Restaurant in Zentrum Tromsøs zu einem herrlichen Fisch Menü wo die Hamsun Zitate über den Tisch flogen zwischen Fisch und Wein, ja Zitate von Strindberg und andere mischten sich auch ein. Nachtleben in Tromsø!! Es muss einfach erlebt werden, eine Stimmung und ein Leben, und wieder wurde es spät und ein langer Spaziergang drohte da es an den Taxi Ständen lange Schlangen gab, aber kurz außerhalb der Stadt gelang es ein Taxi zu kriegen, eine Wanderung stand nicht auf meine Wunschliste 4 Uhr Morgens.

EvenArntzen und ich

Alles hat ein Ende auch schöne Erlebnisse, ich nahm den Flieger Sonntag Nachmittag. Viele warme Danksagungen an Even Arntsen und sein Team für die wunderbare und erfolgreiche Tage, es ist am wärmsten Empfohlen einen Aufenthalt in Tromsø zum nächsten Internationalen Hamsun Seminar in 4 Jahren zu planen.


© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at