Knut Hamsuns 150. Jubiläum. Vågå und Lom 31. Juli - 8. August 2009.

"Ich erinnere alles. Ich erinnere, dass ich anderthalb Jahre alt war: ich stand schaukelnd auf der Brücke zur Scheune auf Oppigard Garmo in Lom und spürte einen gewissen Duft. Ich kenne diesen Duft noch wieder!", schreibt Hamsun in "Segen der Erde".

Endlich kam das lang ersehnte Ereignis, die Feier zu Knut Hamsuns 150. Geburtstag. Voll der Erwartung kamen wir mit der Fähre in Larvik an und fuhren nach Lom. Das Wetter war wunderschön mit einer Mischung aus Wolken und Sonne. Das Programm lautete sehr anspruchsvoll, eine Perlenkette von Erlebnissen, etwas für jedem Geschmack und jedem Alter.

Was uns zuerst begegnet in der Gemeinde Lom ist Garmo, wo wir Hamsuns Elternhaus findet, ein Ort voller Geschichte, ein Augenblick stehe ich mit der Hand an die Wand: es ist als ob seiner Stimme mir etwas erzählt und mich berührt.

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Lom in Sommersonne, aber mit drohenden Wolken in der Ferne, voll von Touristen, ein Kulturzentrum für jeden, zuerst natürlich die überwältigende Natur aber auch kulturell mit viel zu bieten, mit Spuren von mehreren bekannten Autoren, nicht nur Hamsun, und von mehreren Musiker-Dynastien. Ich wohnte wie immer bei Torunn Kjøk, ein begeisterter Mensch bezüglich Hamsun-Arbeit. Olga aus Georgien kam auch, ihr Hamsun-Film wird im Laufe der Woche gezeigt.


Hedvig und Olga in Fossheim Hotel mit Wilhelm Rasmussens Hamsun-Büste. Torunn und Bella.

Diesmal arbeiten die zwei Kommunen Lom und Vågå zusammen um die Hamsun-Feier zu organisieren, eine gute Initiative.

Der Anfang der Hamsun-Tage machte Kjell Bendiksens Ausstellung im schönen Gebirgsmuseum, das auch die Touristen-Information beherberge. Bürgermeister Simen Bjørgen eröffnete die Ausstellung und während wir ein Glas Hamsun-Wein genossen, sahen wir uns die Bilder an. Es war deutlich zu erkennen, dass Bendiksen vom zwiespältigen Hamsun inspiriert worden war. Eine außerordentlich spannende Ausstellung. Mir gefiel ins besondere ein Bild zu Auf überwachsenen Pfaden.


Kjell Bendiksen (Mitte) und seine Frau Gubjørg sprechen mit einem interessierten Gast.

1. August. Eine strahlende Sonne begrüßt uns beim Aufstehen. Wir waren ja aufs Wetter gespannt, da es heute das große Ereignis auf dem Berg Sognefjellet geben sollte. Aber zuerst gab es Zeit für zwei weitere Eröffnungen von Kunstausstellungen: Erstens Arne Sandervangs Ölgemälde zu Motiven aus Hamsuns Romane. Die Ausstellung wurde von Bürgermeister Simen Bjørgen eröffnet. Sandervang hatte eine besondere Weise seiner Bilder zu präsentieren gewählt, verkleidet als Knut Hamsun zeigte er jedes Bild und gab seine Kommentare.


Arne Sandervang

Danach gingen wir über den Platz zur Steinfjøset, wo Karl Erik Harr 46 Gemälde zeigte, alle von Hamsun inspiriert, 10 Ölgemälde waren ganz neu dazu gekommen. Harr hieß uns willkommen und Ellen Horn eröffnete die Ausstellung, die Ehefrau Harrs, Aud Nyegaard, gab ein kleines Konzert, die Stimmung war hervorragend und das Gebäude zum bersten voll. Draußen gab es Erfrischungen, bevor wir alle uns zu den Bussen begaben, die uns zu Sognefjellet brachten.


Karl Erik Harr Ellen Horn Aud Nyegaard

Und was für eine phantastische Fahrt im perfektem Wetter. Wir kamen in 5 Bussen an, aber am Parkplatz im Gebirge mit dem Berg Fannaråken im Hintergrund, gab es noch mehr Autos und hunderte fröhliche Menschen. Wir waren wohl 500 - 600 Menschen, die mit der mächtige Natur als Kulisse die Aufführung vom "Å Isak" erlebten, einen Dialog von 5 Autorinnen geschrieben: Herbjørg Wasmo, Gro Dahle, Maria Tryti Vennerød, Hanne Ørstavik und Vigdis Hjort. Es wurde ein außergewöhnlich großartiges Erlebnis die 3 Schauspielerinnen Ane Dahl Torp, Liv Bernhoft Osa und Marit Østbye unter Regie von Kjersti Horn zu sehen und zu hören. Das Chor, unter Leitung von Dirigenten Kristbjørn Rossehaug und Chorleiterin Hildegunn Hovde, sang und lieferte die Geräuschkulisse, alle trugen gelbe Kleider, die im Winde flatterten und dazu noch Berg, Himmel und Wolken als zutaten. Die Geigerin Marie Forr Klåpbakken und diverse musikalische Geräusche und Klänge machte es zu ein ganzheitliches Erlebnis. Es war, als ob Feen und Trolle hervor guckten um Teil zu haben. Es herrschte eine wunderschöne Stimmung, saß ich wirklich hier mitten in Norwegens schöne Natur umgeben von fröhliche Menschen und mit Hamsun im Herzen?

"Es ist Isak. Und seine Schuhe treten Pfade über meine Haut. Seine Schuhe folgen meine Adern. Seine Füße kreuzten mein Herz und gehen weiter unter den großen Baumkronen der Kinder." Auszug aus Gro Dahles Beitrag.


Zurück in Lom gab es dann die offizielle Eröffnung der Hamsun-Tage in Lom und Vågå. Die zwei Bürgermeister Simen Bjørgen, Lom und Rune Øygard, Vågå sowie Vigdis Moe Skarstein vom Nationalbibliothek hießen uns willkommen und Bjarne Buset vom Verlagshaus Gyldendal überreichte jede der Gemeinden die neue Gesammelte Werke. Ein schönes und willkommenes Geschenk.


Die Ansprache von Simen Bjørgen. Rechts Rune Øygard.

Dann folgte ein Vortrag von Inge Eidsvåg i Nordalsberget: "Wörter und Leben. Über Hamsuns Zwiespältigkeit in Segen der Erde." Wieder mit der Natur als Kulisse und dem donnernden Fluss im Hintergrund hörten wir Inges weise Wörter, wenige schaffen es wie er, dass wir Hamsun verstehen und fassen. Der Abend endete mit dem Film "Segen der Erde" aus 1921 in Lom Samfunnshus, aber da ich den Film gerade in Melbu gesehen hatte, beendete ich den Tag mit gemütlichen Beisammensein über ein Glas Hamsun-Wein.

Am nächsten Tag schien die Sonne wieder, herrlich! Wir fuhren nun nach Vågå zu Skultbakken, Knut Hamsuns Vaters Hof seit drei Generationen. Hamsuns Urgroßvater Ole Pedersen bewirtschaftete Skultbakken von etwa 1790. Leider sind keine Gebäude übrig geblieben aus Hamsuns Vaters Zeiten.



Die Spielleute Vandrerne. Die Eigentümer von Skultbakken Else und Thor Brun im Gespräch mit Bürgermeister Rune Øygard.

Ein reiches kulturelles Angebot erwartete uns. Aus einen Zelt hörte man verführerische Töne von den Spielleuten "Vandrerne", an einem langen Tisch servierte Arne Brimi und sein Stab kleine aber feine Häppchen, fröhliche Menschen genossen die Stimmung und schauten erwartungsvoll auf das noch bedeckte Standbild.


Fylkesmann Kirstin Hille Valle, Skule Waksvik sowie Unn und Birger Bostad.

Die Eigentümer von Skultbakken, Else und Thor Brun, freuten sich über die viele Leute, die gekommen waren. Ihre Pläne sind eine sanfte Restaurierung von den Stallungen und die Rückkehr eines alten Vorratshauses, das früher auf Skultbakken gestanden hatte. Die großzügigen Spender der Statue Unn und Birger Bostad freuten sich mit uns, als Fylkesmann Kirstin Hille Valle mit wohl gewählten Wörtern den Persenning weg zog und wir alle auf Knut Hamsun schauen konnten. Ja, er ist in der Tat ein Wanderer! Die Statue ist vom Skule Waksvik gemacht und misst 2,75 Meter. Am Nachmittag hörten wir dann ein Vortrag von Ivar Teigum, mehr Musik und wir plauderten und ließen es uns gut gehen im herrlichen Wetter. Für die Wanderer unter uns gab es eine geführte Wanderung von Skultbakken zu Hamsuns Elternhaus in Garmo, viele machten die Tour mit, ich war aber faul und nahm das Auto.


Olga aus Georgien freute sich über die Statue. Sergio Calabris schöne Gemälde auf Glas.

Nach einem guten Essen in Lom und eine kleine Pause bei Torunn zuhause, waren wir bereit für das nächste Erlebnis in Vågå, wo im Kulturhaus die Eröffnung von Sergio Calabris schöne Ausstellung mit Malerei auf Glas statt fand. Bürgermeister Rune Øygard hieß uns willkommen und danach war Konzert mit den fähigen Hemsing-Schwestern und Håvard Gimse. Es wurde ein wunderschönes Erlebnis, meine Güte, waren die gut.

Ich bekam leider nur den ersten drei Tagen mit, dann fuhr ich nach Hamarøy, aber sehen Sie selbst im Programm nach und sehen Sie welches Füllhorn von Erlebnisse geboten wurde, ja Hamsun wurde ordentlich gefeiert!

Sehen Sie das Programm bei Hamsun-laget i Lom oder beim Nasjonalbiblioteket

"Diese Erzählungen aus dem Gudbrandsdalen, diese sehr bäuerliche Poesie, diese Phantasie zur Fuß, die gehören zu uns..." (Mysterien)


© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at