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Das Hamsun-Festival in Hamarøy 2012.

"Han var en dreven kjender av utenlandsk liv og herlighet, og i sin smak for dyr praktutfoldelse hadde han reivet på sig et blodrødt sjal til belte om livet. Det var intet mindre end høiste mote i Sydamerika, forklarte han. Hvad du tror de sier når vi kommer? spurte han Edevart. Da de nærmet sig grænden forlangte han at de skulde puste på for ikke at komme utaset frem. Han tok op av lommen en cigar til hver, kjøpt i Bodø til bruk netop ved dette høve, og han advaret Edevart mot å røke for stærkt på den og øde den før tiden. Men når vi går forbi Karolus sin stue så skal du dampe storveies! sa han" (Landstreicher).

Nein, wir kamen nicht paffend auf großen Zigarren und mit blutroten Schalen um den Leibern wie in Landstreicher, aber mit Vorfreude und Erwartung in den Herzen: endlich gibt es wieder Hamsun-Tage.
Da wir mit dem Auto anreisen, nehmen wir immer die Gelegenheit während unsere Fahrt nach Hamarøy Orte mit Hamsun-Relevanz zu besuchen. Wir waren in Elverum, wo wir guten Freunden trafen und mit denen das Haus besuchte, wo Marie und Knut Hamsun nach ihrem Heirat wohnten und wir fotografierten die Strasse, die nach Marie benannt wurde, Marie Hamsunsveg.
Nach Elverum machten wir einen Abstecker nach Koppang, wo ich einen Sten streichlen musste. Er war errichtet zur Erinnerung, dass Hamsun 1909 in diesem Stadt wohnte, während er an "Gedämpftes Saitenspiel" schrieb:
"...det skal en viss grad av ringhet i ævnen til å gå og være varig tilfredsmed livet og atpå kjøpet vente sig noget nyt og godt av det." .

Wir fuhren weiter nach Atna, Sollia und Atnebru, wo wir eine ganz besondere Hütte gebucht hatten, “Borgen” Der Burg am Brænd gård. Hier wohnten Marie und Knut Hamsun 10 Monate in den Jahren 1909 - 1910. Der Burg war Knut Hamsuns Dichterhütte. Die Hütte steht heute fast wie zu Hamsuns Zeiten, ohne Strom und fließendes Wasser. Ein Bett und ein Tisch ist noch da und etwas Besonderes: ein Bücherregal, dass Hamsun selbst gezimmert hatte. An der Wand der Hütte hängt jetzt eine Plakette in Gedenken an Marie und Knut Hamsun. Ja, dieser Ort ist Geschicktsträchtig.


"Borgen", Hamsuns Dichterhütte am Brænd gård Der Bücherregal, von Knut Hamsun selbst gemacht.

Wir wurden herzlich von zwei Hunden und zwei Katzen empfangen und von Berit Brænd, die in sechster Generation den Hof betreibt. Sie sagte uns, dass ihr Son bald auf den Hof einziehen würde, so die siebte Generation ist auch gesichert. Berits Urgrossvater hatte den Hof bewirtschaftet als Marie und Knut hier wohnten.
Das Wetter war ausgezeichnet, so wir saßen vor der Hütte, nahmen dort unsere Abendessen, genoß ein Gläschen Wein und ließen den Tageszeitungen, während der Wasserfall hinter der Hütte rauschte. Und hier hat Hamsun so oft gesessen und den selben Rauschen gelauscht!
Auf Brænd gård hat man immer noch einen Hahn. Eine lustige Geschichte aus Hamsun Zeiten erzählt, wie Knut Hamsun den Tod des (damaligen) Hahns gefordet hatte, weil der Hahn sein schreiben störte.
Wir schliefen hervorragend auf dem Loft zu der Musik des Wasserfalls und mit Hamsun Geist um uns herum in der Hütte.

Nach ein Paar Tage mit wunderschöne Naturerlebnisse kamen wir in Hamarøy an. Wenn wir den Berg Kråkmo sehen, haben wir immer das Gefühl nach Hause zu kommen. Und mit Freude im Herzen kamen wir an in Hamarøy Fiskecamping am Gezeitenstrom Glimma, wo Hütte Nr. 14 uns erwartete. Das einzigartige Hamsun-Zentrum lächelte zu uns hinab und hieß uns wilkommen. Ein Ort, nicht nur für Hamsun Studien aber auch für Gemütlichkeit und Kaffee und interessante Gespräche mit den engagierten Mitarbeitern. Hier sind wir jeden Tag zu finden.


Das Hamsun-Zentrum mit Koolwijks Installation Kirsten Hedvig Rasmussen und die Hamsun-Büste

Bald hatten wir das ansprechende Programm des Hamsun-Festivals in der Hand, spannende Tage voller Erlebnisse erwartete uns vom 28 Juli bis 5 August. Das allerschwierigste war auszuwählen, es ist unmöglich überall zu sein.

Es ist wie ein Abenteur hier am Glimma zu sitzen und es ist als ob Hamsuns Stimme aus der Ferne zu hören ist:
"Så sitter jeg igjen og hører på suset i skogen. Er det Ægæerhavet som ligger og lyder, er det nu havstrømmen Glimma? Jeg blir svak av å sitte og lytte, erindringer vælder op i mig fra mit liv."

Hier in Hamarøy haben wir die schönsten Veranstaltungen erlebt, dazu die vielen Bekanntschaften und Freundschaften, die über Jahren geschlossen wurden. Ständig werden Gedanken, Aufsätze und Bücher im großen Stil ausgetauscht und jedes Mal fühlen wir uns ein bißchen weiser. Eins ist aber sicher: man lernt nie Hamsun vollständig kennen. Jedes Mal, wenn man denkt: "Jetzt habe ich ihn", dann ist er schon vorbei gelaufen. Hamsun verstehen ist wie Berge besteigen: wenn man ein Gipfel erreicht hahe, liegt schon der nächste vor dir.

In den meisten Jahren hatten wir immer strahlende Sonnenschein während der Hamsun-Tage, aber in diesem Jahr bekamen wir etwas Regen mit und mussten ab und zu eine Warme Pulli anziehen.

Eröffnung der Kunstausstellung, junge Künstler nehmen Skogheim ein. Eine Kollektivausstellung von Nordland kunst og filmfagskole. Und es war viel Fantasie dabei. Über einen Drink sahen wir uns die Sachen an aber hier muss man mehrmals kommen.


Eröffnung der diesjährigen Kunstausstellung auf Skogheim

Dann zum Hamsun-Zentrum um an die Eröffning der Hamsun-Tage 2012 Teil zu nehmen. Glücklicherweise ließ jetzt der Regen nach.
Hans van Koolwijk hatte den gelben Balkon des Hamsun-Zentrums blaue Flügel verpasst. Es war also eine Installation, dass vom Balkon hing. Der niederländische Künstler und Musiker, Hans van Koolwijk hatte eine Fanfare für die Eröffnungsfeier komponiert. Die ganze Woche konnte mann die Installation des Niederländers bewundern, nicht nur auf dem Balkon sondern im ganzen Turm.


Direktorin des Hamsun-Zentrums Bodil Børset und Bürgermeister Rolf Steffensen hießen uns Wilkommen zu den Hamsun-Tagen 2012.

Nach der Fanfare hieß uns der Bürgermeister von Hamarøy, Rolf Steffensen, herzlich Willkommen und erinnerte daran, dass es in diesem Jahr 150 Jahre ist seit die Familie Pedersen aus Lom nach Hamarøy kam, dass es 100 Jahre ist, seit Tore Hamsun hier auf Skogheim geboren wurde und dass es 30 Jahre her ist, dass die Hamsun-Tage zum ersten Male organisiert wurden.
Dann eroberte die "Poesie-Guerilla" den Podest, fünf Jugendliche aus dem Ort im Alter von 15 bis 20, Teilnehmer eines Workshops über Kampfpoesie: ”Poesigeriljaen det er oss. Poesien den skal fram. I mange år har den vært lam”, lautete das Lösen von Guerillachefin Borghild Otelie Aasebøstøl und ihre Mitstreitern als sie die Eröffnung der Hamsun-Tage stürmten. Leiter der Workshop ist übrigens der amtierende nordische Meister in Poetry-slam, der Schauspieler Taro Vestøl Cooper. Die Guerilla hatte auch das Büro von der Direktorin des Hamsun-Zentrums Bodil Børset besetzt und um das Büro wieder zu bekommen mussste Bodil ein selbstgeschriebenes Gedicht während der Eröffnungsfeier aufsagen, was sie mit Erfolg und unter großem Applaus tat. Die Poesie-Guerilla ist wirklich eine erfrischende und amüsante Idee.
Bodil lud uns dann ein, das Hamsun-Zentrum von innen zu besichtigen und in den nächsten Stunden gab es ein reges Leben auf alle Etagen. Ein guter Anfang der Hamsun-Tage.

Bambuso Sonoro: ein einzigartiges Konzert mit Hans van Koolwijk und die Sängerin Anette Askvik. Es wurde ein überwältigendes Klangerlebnis, die vielen Bambuspfeifen mit ihren besonderen Klänge gemischt mit der klare reine Stimme von Anette. Wirklich ein sehr schönes musikalisches Erlebnis.


Bambuso Sonoro Hjalmar und Heidi Martinussen

Die Hamsun-Tage waren von nun an voller Erlebnisse:

Vortrag von Hjalmer Martinussen auf Hamarøy Fiskecamping über "Hamsuns Leben". Veranstaltungsort war das Partyzelt und als nicht gerade tropische Temperaturen herrschten, sondern ein frische nordische Brise, dann tat es gut einen Teppich über den Beinen zu haben. Heidi und Hjalmer kamen als "Marie und Knut Hamsun", eine prima Idee. DerVortrag wurde begleitet von schönen Liedern vorgetragen von Reimond Hansen. Ein schönes Erlebnis, wo man fast schwebend in Hamsun Leben und tun eintrat.
Auch ein schönes Erlebnis war der Vortrag im Hamsun-Zentrum von Andreas Lødemel und Solveig Hirsch, getitelt "Berühmt und Verdammt". Andreas erzählte und Solveig ließ passende Texte aus Hamsuns Werken. Richtig interessant.
Wir unterhielten uns auch mit einigen der Zuhörern u.a. mit Kari Leken, die zurück nach Hamarøy gekommen war, wo sie als Kind gewohnt hatte. Sie war im Kinderchor, der bei der Einweihung der Hamsun-Büste in 1961 gesungen hatte.
Barock-Konzert in Hamarøy Kirche mit Jens Lühr und Veronica Fucci. Ein feines musikalisches Erlebnis, mit Veronica in ein traumhaftes Barock-Kleid.
Wir genießen wie immer die Stimmung in Hamarøy. Ein Besuch in der Bücherstadt ist Pflicht, diesmal kaufte ich so viele Bücher, dass die bestimmt für die langen dunklen kalten Winternächte ausreichen. Wieder zurück ins Hamsun-Zentrum, wo ich über eine Tasse Kaffee Postkarten schrieb, während Gert sich das Kurzfilm Program der Nordland kunst og filmskole ansah. Später nahm er auch an der Architektur-Wanderung durch das Zentrum Teil. Leider hatte es jetzt angefangen zu regnen.

Wir machten einen Ausflug nach Skutvik um den neuen Laden zu sehen, der Nebel lag so tief, dass wir den Berg Hamarøy- skaftet nicht sehen konnten. Der Cafe im Pfarrhof verführte uns zu herrlichen Kaffee und Kuchen, wirklich ein schöner Ort zu sitzen um alle Erlebnisse zu sortiern.


Ein charismatischer Persönlichkeit: Per Knutsen Ein charismatischer Musiker: Bjørn Kåre Odde

Autorentreffen mit Per Knutsen im Hamsun-Zentrum mit dem Thema ”über sich selbst zu schreiben”. Sein Vortrag ging unter die Haut, ein wahrlich außergewöhlich guter Vortrag. Danach Mittag unten im Hamarøy Fiskecamping mit Leif Hamsun. Später kamen Jarnfried Kjøkk und der Musiker Bjørn Kåre Odde aus Lom an.
Einer der Höhepunkte ist immer ein Besuch in Hamsund im Elternhaus. Rauch kam aus der Schornstein und es duftete heißer Kaffee aus dem Kessel über dem Feuer. Hier erwartete uns ein spannender Vortrag von Terje Ellingsen, der ein Buch über ”Knut Hamsun unter seinen Nachbarn" in einer Zusammenarbeit mit dem Historischen Gesellschaft geschrieben hat. Es war interessant eine ganz andere Blickwinkel auf Hamsun zu bekommen. Ich sicherte mir ein Buch mit dem Autogramm des Authors für meine Sammlung. Der junge Musiker Bjørn Kåre Odde aus Lom begleitete den Vortrag mit traditionelle norwegische Tänze Slåt und Halling.
Arne Andre Solvang gab danach eine Einführung zum Elternhaus und lud uns zu Besichtigung ein.


Arne Andre Solvang empfängt uns im Elternhaus Eivor Bergum im Theater des Hamsun-Zentrum

Zurück zum Hamsun-Zentrum, wo es ein Vortrag im Theatersaal gab mit Eivor Bergum und ihr Thema: ”Direkt zum Fluss nach Wasser” (sinngemäß "Zur Sache"). Eivor erzählte über ihre eigene Werke in einer sehr persönliche und ansprechende Weise. Ich kannte ihre Bücher nicht, aber die wurden sofort auf meine Wunschliste gesetzt.

Das Höhepunkt der Hamsun-Tage wurde die Jubiläumsfeier in Hamsund. Etwa 70 Mennschen in Feierlaune trafen sich in der kleinen Festhalle mit den hübsch gedeckten Tischen und allerlei Spezialitäten aus Lom und Hamarøy.


Leif Hamsun und Nils Magne Knutsen freuen sich über das Jubiläum Jarnfrid Kjøkk singt Volkslieder

Anlass der Feier war, dass die Hamsun-Tage vor 30 Jahren gegründet wurde. Zusätzlich konnten wir feiern, dass vor 150 Jahren die Pedersen Familie aus Lom nach Hamarøy zog und das Tore Hamsun vor 100 Jahren hier auf Hamarøy geboren wurde. Der Musiker Bjørn Kåre Odde in seinem schönen Nationaltracht unterhielt mit norwegischer Volksmusik, mann konnte er spielen. Danach hielt Nils Magne Knutsen die Festrede. Es ist immer ein derartiges Vergnügen ihn zu hören. Jarnfrid Kjøkk auch in Nationaltracht trug Volkslieder vor und zeigte wo man Erinnerungen aus Lom in Knut Hamsuns Poesie finden konnte:
"Jeg husker alt. Jeg husker jeg var halvandet år: Jeg stod og svaiet på låvebroen på Oppigard Garmo i Lom og kjente en bestemt lukt. Jeg kjenner den lukt enda!". (Segen der Erde).


Kirsten Hedvig Rasmussen und Karl Erik Harr genießen das Jubiläum

Karl Erik Harr gratulierte zur Jubiläum und schenkte dem Hamsun-Zentrum eines seiner Gemälde. Die Stimmung war überall fröhlich als wir den Spzialitäten kosteten, die Moltebeeren waren ausgezeichnet. Auch Alf Einar Øien und May Valle hielten kurze Reden. Es wurde eine wunderbare Abend. Weit über Mitternacht fuhren wir zur Hütte zurück und es war immer noch hell.

Früh standen wir auf, genossen den Frühstück mit Aussicht über Glimma and gingen dann zum Hamsun-Zentrum, wo das literarische Seminar um 9.30 anfing. Ich nehme immer mit großer Freude am Seminar Teil. Wenn wir über Hamsun hören, dann fliege ich auf den Flügeln der Fantasie:
"De skaffet sine hjærters næring. Også de havde syner når de glodde ind i fantasiens land" (Die Stadt Segelfoss).
Bodil hieß uns Wilkommen und präsentierte Gunvald Hermundstad und sein Vortrag: ”Lichtimpulse aus einer Stellare Kollision. Über die forensisch-psychiatrische Beobachtungen von Hamsun im Winter 1945 - 46". Wir erfuhren u.a.wie Professor Gabriel Langfeld versuchte Hamsun zu zensieren. Ein sehr interessanter und kluger Vortrag. Ich mag Gunvalds Standpunkte und Einstellungen sehr gerne.


Gunvald Hermundstad in Kollision der Sterne Die Poesie-Guerilla hat den Podest erobert

Danach sprach Elisabeth Oxfeldt über ”Die Vergewaltigung in/von Afrika. Imperialistische Scham in Knut Hamsuns Landstreicher". Oksfeldt vergleicht Augusts Geschichten mit Erzählungen aus Nordahl Rolfsens Weltgeschichte für Kinder und zeigte wie August zeit-typische norwegische Vorstellungen von der Rest der Welt und ins besondere von Afrika repräsentiert. Auch ein interessanter Vortrag.
Die Poesie-Guerilla machte uns auch ein Besuch mit etwas Rap-Poesie. Eine herrliche Unterbrechung.
Nach eine kleine Pause mit Kaffee, Obst und Gespräche stellte sich der nächste Dozent Frode Boasson mit ”Was treibt Hamsuns Reisende?", über Sehnsüchte, die zum Aufbruch und Reisen in Hamsuns Werken führen. Die Reisende in Hamsuns Werken verlassen geau so oft etwas als sie sich zu etwas bewegen. Im Schnittpunkt zwischen Heimat und Reisen tematisiert Hamsun eines der fremsten Probleme der Modernität: das Gefühl von Wurzellosigkeit in einer modernen Welt. Boasson untersuchte einige Elemente bei Hamsuns Reisende und stellte die Frage, warum sie reisen und wonach sie sich gezogen fühlen.
Das literarische Mittagsessen wurde in Presteid Gårds Cafe eingenommen. Wagemutige namenlose Gerichte aus Segen der Erde. Solveig Hirsch und Andreas Lødemel erzählten und ließen während eine drei-gänge Menü aus Isak und Inger Sellanraas Küche gereicht wurde: Grütze aus Gerstenmehl, ein kalten Teller mit Kartoffel, saure Sahne, zweierlei Schinken und Räucherlachs und als Dessert eine warme Suppe aus Moltebeeren. Interesant.


Gewagte Gerichte aus Segen der Erde Knut (Tor Valle) und Marie (Elin Eidsvik) mit ihrem Buick 1933.

Eine Überraschung erwartete uns nun vor dem Hamsun-Zenrum: Marie Hamsun (Elin Eidsvik) fuhr in Hamsuns Buick aus 1933 an, hielt vor dem Zentrum und holte Knut Hamsun (Tor Valle) ab. Wir waren alle hell begeistert, Presse und Fernsehen waren auch dabei. Das Hamsun-Zentrum möchte gern den Buick kaufen und haben schon mehr als die Hälfte der Finanzierung zusammen.
Danach ging es weiter im Theater des Hamsun-Zentrums. Der Schauspieler Gard Eidsvold erzählte über die Pläne einer Neuverfilmung von Segen der Erde: "Vom Buch zur Film". Gard Eidsvold hat die Rechte erworben und plant jetzt die Verfilmung. Es war sehr spannende über dieses Projekt zu hören.
Andreas Lødemel: ”Wurzel und Wurzellosigkeit” August und Edevardt in Landstreicher. Zwei der wigtichsten Elementen in Hamsuns Werken finden ihr Zenith in Landstreicher: Nordland als Kulisse und der Wanderer als Motiv: "De pratet og pratet det over i sit forunderlige nordlandssprog, det var med mange påfaldende ord, uventede ord, det var ravgalt indtil kunst, men det uttrykte deres meninger." (Landstreicher).
Dann fuhren wir all zu Hamarøy Internationales Zentrum HIS, wo ein internationales Buffet für uns angerichtet war. Hier wurden die nächsten Vorträge gehalten, zuerst Ketil Eide über ”Kinder, die alleine flüchten müssen. Was haben wir von der Geschichte gelernt?" Bevor und nach dem Zweiten Weltkrieg sind Kinder alleine geflüchtet und sind in Folge von Naturkatastrofen und Kriegen von ihren Familien getrennt worden. Was können wir über den Empfang von Kinder und Jugendliche aus der Geschichte lernen? Ein wichtiges Thema, leider sehr aktuel heute.
Bisher saßen wir in einen gefüllten Vortragssaal, aber für den nächsten Sprecher standen die Leute draußen Schlange. Der Saal musste durch entfernen einiger Wände größer gemacht werden, damit alle den Arzt Mads Gilbert hören konnten mit seinem Vortrag: ”Die palestinensische Geschichte. Warum wird die todgeschwiegen?” Wir hörten jetzt einen der berührendsten Vorträge, den ich je gehört haben zusammen mit Bilder unermesslichen Grauen aus den palestinensischen Gebieten, wo Mads Gibert mehrere Perioden als
Anästhesist im Krankenhaus gearbeitet hat. Wir waren alle zu tiefst erschüttert. Es war sehr schwierig an die letzte Debatte Teil zu nehmen aber alles wurde in Würden abgerundet. Was für einen Tag.

Wir schloßen den Tag ab zusammen mit Leif Hamsun, Gunvald Hermundstad und Teji Grover aus Indien, die gerade mit ihrem Mann Rustam gekommen waren. Hamsun ist ja in so vielen Sprachen übersetzt worden, auch ins indische. Teji Grover hat zwei von Hamsuns Bücher vom englisch ins indische übersetzt, "Hunger" und "Pan", und sie ist jetzt dabei Hamsuns letztes Buch "Auf überwachsenen Pfaden" zu übersetzen. Obwohl sie kein norwegisch versteht war es immer ihr großer Wunsch einmal an den Hamsun-Tagen Teil zu nehmen.

Am nächsten Morgen erwartete uns wieder ein Tag voller Erlebnisse. Und Glimma rauschte Tag und Nacht, Nacht und Tag.
Wir hatten uns auf den Master Class des Hamsun-Zentrum gefreut. Es wurde von Professor Per Thomas Andersen aus Oslo geleitet. Zuerst nahm er die Diskussion über die bisherige Traditionen innerhalb der Hamsun-Forschung auf, wo stehen wir heute und welche Optionen stehen uns in der Zukunft zu Verfügung.
Zu uns gekommen waren mehrere Forscher u.a. Professor Dean Krouk vom St. Olaf College in Minnesota und Professor Nils Magne Knutsen vom UIT.
Die Doktorandinnen Julia Langhof und Anne Fewer vom Universität Münsterpräsentierten ihre Forschungsprojekte. Langhof arbeitet an einer Analyse des Hamsun-Jubiläum 2009 wie es durch den norwegischen Medien gespiegelt wurde. Fewer schreibt über Sentimentalität und Brutalitet in Hunger. Bodil Børsen präsentierte das Projekt Hamsun in Nordland, eine Zusammenarbeit zwischen dem Hamsun-Zentrum und Universität Nordland. Hier bekamen wir auch Besuch von der charmanten Poesie-Guerilla.

Markttag auf Tranøy, Frikadellen, Kuchen un Gespräche im Cafe Dorotheas Fryd, Besuch in alle Galerien, träumende Blicke über dem Meer, wo Hamsun unzählige Male auch gestanden hatte und ein Besuch am Leuchtturm, das gehört alles immer zu unsere Erlebnissen während den Hamsun-Tagen.


Kirsten Hedvig Rasmussen genießt den Markttag in Oppeid Leif Hamsun ehrt seinen Großvater zum 153. Geburtstag

Einer der Höhepunkte in jeden Hamsun-Tage ist Knut Hamsuns Geburtstag. Heute schien die Sonne und es gab Markttag in Oppeid, "alle" sind da, die Stände lockten mit allerlei Genüssliches. Wir hatten den Baconburger, Waffeln und Kaffee. Eine prima Stimmung und gute Laune. Bürgermeister Rolf Steffensen gab von der Bühne einen selbst-komponierten Rap, eine Aufgabe die ihm die Poesi-Guerilla gestellt hatte. Cool!
Um 14Uhr fuhren wir mit Teji und Rustam zu Hamsund, wo der Geburtstagsfeier an der Hamsun Büste statt fand. Eine lange und liebevolle Tradition. Leif wurde standesgemäß von „Marie Hamsun“ in dem alten Buick kutschiert. Er hielt eine kleine Rede zu Ehren seines Großvaters, wobei er erwähnte, dass die Familie Pedersen vor 150 Jahre nach Hamarøy kam und dass sein Vater, Tore, vor 100 Jahre geboren wurde. Dann legte er einen Kranz an der Büste nieder.
Und es wirkte als ob Hamsuns Geist in alles um uns ruhte, die Bäume flüsterte und die Blumen nickte freundlich: "Ja det var de unge dager som ingen interesse har nu mere og derfor ikke skal nevnes. Men selv i Nordland, i Salten fogderi, mindes jeg at vi la luen ydmygt under venstre arm og hilste freden! når vi kom ind, signe arbeidet! til dem som holdt på med noget og bli i freden! når vi gik igjen." (Auf überwachsenen Pfaden).


Internationaler Besuch: Teji Grover aus Indien... und Kirsten Hedvig Rasmussen aus Deutschland

Am Abend gab es eine Weltpremiere im Theater im Hamsun-Zentrum: "Alexander und Leonarda", eine hervorragende und unkonventionelle Theateraufführung basierend auf Hamsmsuns Novelle. Alexander und Leonarda wurde von 8 jungen Leute aufgeführt, 4 Russen und 4 Norweger. Ich sicherte mir die Autogramme der jungen Darsteller in meinem Programmheft.
Bevor wir im Saale eingelassen wurden, bekam das Publikum Eimer und Plastictüten und wurde gebeten aus dem Glimma Wasser für die Vorstellung zu holen.
Für uns und viele andere wurde diese Theateraufführung zu einer der Höhepunkte der Hamsun-Tage in diesem Jahr.

"Der var derhjemme en Havstrøm som hedte Glimma. Og der var i sin Tid en Tatergut som hedte Alexander. denne Alexander havde jeg engang en Samtale med paa Akehus Fæstning hvor han sad indespærret for Vold. Nu læser jeg i Bladene at denne farlige Misgærningsmand er død; Celleluften hadde slaat ham ihjæl. Mig fortalte han at han engang havde ombragt en pige...."
So lässt Hamsun die Saga von Alexander und Leonarda beginnen. Und nun kommt das Ende, nach Seiten von
haarsträubende Schilderungen von den Beiden im Ruderboot auf dem Glimma mit einem zersplitterten Ruder:
"Du gjorde det med Vilje, sa hun for første Gang i Angst.
Han svarte:
Javel. Du kommer ikke levende iland.
Et Øjeblik efter lød et hvinende Skrig, Baaden tørned mod Stenen og slog Siden ind. I samme nu kom Tateren sig op paa Stenen, han saa Leonarda rulle rundt nogle Gange, derpaa blev hun rejst ivejret og endevendt med Hodet foran. Saa kogte hun tilbunds med Vandet.
De var iagtagne fra Land og Tateren blev bjærget. -
Og ingen kunde faa den unge Alexander noget paa. Hans Aare var knækket, der var ingen Skyld hos ham; men Ulykken havde været ude.-

Denne Historie fortalte Alexander mig selv paa Akerhus Fæstning hvor han sad fast for Vold."

Nur langsam kamen wir in die reale Welt zurück und konnten wieder Glimma als ein heller und freundlicher Wasserlauf sehen und erst noch später wurden uns klar wie Hamsun uns wieder bezaubert hatte.
Ich kann nur empfehlen diese Novelle zu lesen, ins besondere wenn man am Glimma sitzt...


Das Publikum holt Wasser für... ...die Theateraufführung "Alexander und Leonarda"

Wir schliefen ein zu Rauschen der Glimma.

Sonntag, 5. August
erwachten wir zu kühlen Wetter und frühstückten mit Aussicht zu Glimma durch den Regentropfen.
Die Hamsun-Tage endeten heute mit einer Gottesdienst an den Ruinen des alten Pfarrhauses. Wunderschöne Tage sind vorüber und wir müssen Abschied nehmen. Wir fuhren an Tranøy Galerie vorbei um Kirsti Kalstad zu glückwünschen, dass sie und Børge Strandskog den August-Preis bekommen hatten.

Und dann gab es alle die Veranstaltungen, wo wir so gerne dabei gewesen wäre, aber wo einfach keine Zeit übrig war und die Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche:

Markttag in Skutvik
Literarische Wanderungen in den Fußstapfen von Hamsun
Die Hamsun-Schule. Workshop in Kampfpoesie
Mit dem Ruderboot über den Hamsund-Polden
Familienkonzert mit Tonje Undstad
Authorentreffen mit Rawdna C.Eira
Cafekonzert mit Anette Askvik
Helge Stangnes in Wort und Musik
Authorentreffen für Jugendliche mit Arne Svingen
Segen der Erde. Theateraufführung
Akustischer PickNick mit Jonas Alaska, Ingeborg Oktober und Eline Torp
Literarische Wanderung nach Hansbakk
Studio Sokrates
Rock mit Honningbarna
Volksfest.

Das wichtigste an solchen Festivals sind ja immer mennschliche Begegnungen - Wiedersehen mit alten Freunden und Freundschaft knüpfen mit neuen Bekannten. Es ist unmöglich all die sympatischen, offenen und herzlichen Mennschen namentlich zu nennen, die unsere Besuch in Hamarøy so unvergesslich machten. Ein besonderes Danke Schön an Rita und Hans Petter in Hamarøy Fiskecamping und alle im Hamsun-Zentrum: ihr habt alle uns Energie und Sternstunden für den Rest des Jahres mitgegeben!


Montag, 6. August gab es Wolken und nur 12°, als wir den Kurs richtung Skutvik einlegte und die Fähre nach Svolvær auf Lofoten nahmen. Das Ziel war Sortland Hotel in Vesterålen:

Das literarische Seminar der Hamsun-Gesellschaft 9. - 11. August. Zum ersten Male nicht auf Hamarøy!
Sortland, die schöne blaue Stadt. Hier hielt Hamsun sich vor 100 Jahren auf. Ich spürte seinen Geist über den Ort schweben und wie es unsere Gedanken freie und offene machte. Wir nutzt die drei Tage vor dem Seminar für Ausflüge auf Vesterålen und genossen Natur und Kultur.


Kirsten Hedvig Rasmussen in der Hamsun Lobby in Sortland Hotel

Hamsun in Vesterålen 2012:
"Ingen-ikke en eneste en - kan ventes å skrive tilnærmelsesvis så godt efter femtiårsalderen som før den, det er bare de enfoldige eller de egeninteresserte som hævder en stigning efter den alder." (Die letzte Freude).
Und wenn man bedenkt, was Hamsun noch später schrieb!

Schön so viele Bekannte wieder zu sehen und so viele neue Gesichter auch.
Ein Bus fuhr uns nach Jennestad Handelssted, wo wir in den wunderschöne Garten Platz nahmen. Die silbernen Sonnenstrahlen schimmerten durch den grünen Laub und erlichtete die schöne Pan Statue und versuchte die kühle Luft etwas zu mildern. Die meisten von uns hatten uns gut angezogen.



Vorsitzender der Hamsun-Gesellschaft Even Arntzen Dag Solstad mit einem amüsanten Vortrag
Bürgermeisterin Grete Ellingsen als "Fräulein Ellingsen" Kåre Bjørn Kongsnes heißt Wilkommen zu Jennestad

Even Arntzen hieß uns Wilkommen zum Seminar und wünschte uns schöne Tage unter Hamsuns Segen.
Bürgermeisterin Grete Ellingsen hatte sich als Fräulein Ellingsen verkleidet, die zu Hamsuns Zeiten das Hotel leitete und ließ aus einem Brief, dass Hamsun "ihr" 1912 geschrieben hat. Dann zog sie ihre Bluse aus und zum Vorschein kam die imposante Bürgermeisterkette und sie hieß uns jetzt als heutige Bürgermeisterin Wilkommen nach Sortland und erklärte das Seminar für eröffnet.
Kåre Bjørn Kongsnes gab eine Einführung zum Ort und lud uns ein, nach der Eröffnung das Haus zu besichtigen.
Als nächstes gab Nils Magne Knudsen uns spannende Einblicke in die Geschichte der mächtigen nord-norwegische Handelsleute, wozu auch Jennestad gehört.
Für musikalische Unterhaltung sorgte Skjalg Bjørnstad mit seiner
Ziehharmonik und Lieder zu Hamsuns Texte.
Die Schauspielerin Henny Moen trug Hamsun-Gedichte vor. Keine macht ihr es nach Gedichte so zu den Herzen zu bringen.
Danach erzählte Dag Solstad auf seinen eigene schräge Weise über „Knut Hamsun“.


Die Schauspielerin Henny Moan Nils Magne Knutsen vom Tromsø Universität

Wir froren jetzt alle brav, so es war ein Vergnügen Drinks und Snacks geboten zu bekommen und die Gelegenheit für ein Besuch in das schöne Hauptgebäude des Hofs zu nutzen. Das Gebäude ist geschmückt mit sehr viel Kunst, ins besondere mit Bezug zu Knut Hamsun. Es war wirklich interessant das alles zu sehen und natürlich auch mit den andre Teilnehmern zu diskutieren.
Zurück in der hellen Nacht nach Sortland Hotel, wo wir uns in der Saaby Bibliotek über ein Glas Rotwein unterhielten. Der Etikett war für das literarische Seminar speziel gemacht mit einem Bild der Hamsun-Büste, dem Tür zu Hamsuns Zimmer und dem Titel „Die letzte Freude“. Wir feiern auch, dass Hamsun for 100 Jahren hier "Die letzte Freude" schrieb, dass heißt in Fräulein Ellingsens Pension, wo das jetzige Hotel nun steht.

Die Hamsun Büste, die in der Hamsun Lobby steht, ist wie auch die Büste von Lars Saaby Christensen, die in der Bibliothek steht, beide von Nico Widerberg gemacht. Die Büste wurde oft am Kopf gestrichelt, ich konnte es nicht lassen. Die Hamsun-Büste im Hamsun-Zentrum in Hamarøy ist vom selben Künstler.


Nico Widerbergs Hamsun -Büste in Sortland Hotel

Freitag, 10. August
Wir schliefen gut und trafen uns nach der Frühstück um 9.15 zu den Vorträgen des Tages und andere Erlebnisse. Harald M. Jacobsen hieß un Wilkommen im Hotel, er war so froh, dass das Seminar in Sortland gehalten werden konnte. Er gab auch eine Einführung zu Sortland Hotel und Knut Hamsun.
Wenn man da sitzt und zuhört zu, fällt mir einige kluge Wörte ein, diesmal nicht von Hamsun sondern von Barbara Tuchmann: "Bücher sind Träger der Zivilisation. Ohne Bücher wäre die Geschichte stumm, die Literatur sprachlos, die Wissenschaft verstümmelt, Gedanken und Ideen festgefroren".
Professor Henning Wærp UIT sprach über das Thema "Auf der Suche der Simplizität. Über Knut Hamsuns letzte Roman Der Ring schließt sich".
Professor Dean Krouk, St. Olaf College (Minnesota) sprach über „Andere Zustände: Hamsun, Musil und die sekuläre Mystik der Modernismus“.
Danach eine Kaffeepause, die wie immer für gute Gespräche mit den anderen Teilnehmern genutzt wurde.
Even Arntzen UIT: „Hamsun und Strindberg“.
Ronald Altinius: „Hamsun und Behring Breivik“.


Even Arntzen Ronald Altinius

Mittagessen.
Dann gingen wir zum Kinosaal und sahen Ausschnitte aus der Theatervorstellung „Ein wahrhaft scheußlicher Ort" - die Vorstellung basiert auf Hamsuns begegnung mit Sortland vor 100 Jahren und hatte 2009 anläßlich des Hamsun-Jubiläums Premiere. Bürgermeisterin Ellingsen gab wieder das Fräulein Ellingsen, wirklich eine heitere Einlage zwischen den Vorträgen.
Wieder schnell zurück zum Vortragssaal.
Hamsun-stipendiat Atle Nordøy, UIT: „Die Welt sehen. Interpretationen in Hamsuns Novellen.“
Doktorand Julia Langhof, Münster: „Eine Analyse des Hamsun-Jubiläums 2009“
Førsteamanuensis Wenche Torrissen, HIV: Das Beste, was geschrieben ist, Hamsun und Hulda Garborg“
Dann Bus nach Lihallen kunstgård, mit einem wunderschönen Ausblick.


Wenche Torrissen Lihallen kunstgård

Lihallen war früher ein Sanatorium udn steht heute liebevoll restauriert von Haralds Bruder und Schwägerin, die Künstlerin Tove Jacobsen, dessen Kunst auch Sortland Hotel schmückt.


Vigdis Hjort Lisbeth Wærp

Zurück im Hotel bezauberte Vigdis Hjort uns mit „Hamsuns bulimische Sprache“. Es ist immer ein Vergnügen Vigdis zu hören.
Nicht weniger interessant aber völlig anders war der letzte Vortrag von Professor Lisbeth Wærp, UIT über Hamsuns Roman „Die letzte Freude“.
Nachts gab es Live-Musik und Tanz im Keller des Hotels. Wir machten den Versuch, aber lauter Musik geht nicht mit literarischen Diskussionen zusammen, also gingen wir früh zu Bett. Jetzt fängt es um Mitternacht langsam an Dunkel zu werden.

Samstag, 11. August
Früh aufstehen, Wetter kühl aber OK. Um 9.30 Abfahrt mit dem Bus nach Bø. Wir hatten uns auf diesen Ausflug sehr gefreut, hier arbeitete Hamsun oder Knud Pedersen, wie er damals hieß, als Polizist in 1878 - 79, als er 19 - 20 Jahre alt war.


Leif Hamsun auf dem Bank seines Großvaters Polizist Knud Pedersens Einträge im Protokoll

"Er war ein Komet ohne Richtung, einer der Heimatlose Seelen, Der Radikaler, den weder Rechts noch Links für sich einnehmen konnte." (Knut Hamsun Brief 1892).
Wir wurden herzlich in Bø Bygdetun, Vinje, empfangen und Julia Sæter gab eine Einführung zum Museum. Hier findet man alles zwischen Scheune und Fischerdorf. Am Strand konnte man den großen Skulptur "Der Mann aus dem Meer" sehen, ein Teil des Skulpturlandschaft Nordlands. Gert versuchte alles zu sehen, während ich mich auf Kopien konzentrierte, die Hamsuns Eintragungen ins Protokoll zeigte. Seine Handschrift was deutlich zu erkennen. Er hatte offensichtlich ein vielseitiger Job, viele Aufgaben und ein großes Revier, wo er sicher meist zu Fuß über die Berge unterwegs war. Im Museum stand auch ein Holzbank, der Knud Pedersen als Bett gedient hatte. Selbsverständlich musste ich den Bank probieren und Leif auch.
Nach Kaffee und Kuchen fuhren wir mit dem Bus weiter nach Ringstad Bygdehus, wo wir Fischsuppe serviert bekamen zu einem wie immer sehr spannenden Vortrag von Nils Magne Knutsen. „Und er trug die Dienstmütze mit goldener Schnur" über Polizei und Polizeibeamte in Hamsuns Werken.


Gegenüber der Schule, wo der junge Knud Pedersen lehrte Immer engagierter Nils Magne Knutsen in Ringstad Bygdehus

Die zwei Busse fuhren mit der Schneckenpost über kleine Straßen bis wir an den Ruinen einer Schule kamen, nein, nicht die Schule wo Knud Pedersen als Lehrer gearbeitet hatte, aber von hier aus konnte man hinab gucken bis zur Schule wo der junge Pedersen mit seiner eigene 265 Schultage gelehrt hatte. Er war sehr beliebt und anders als Lehrer, erzählte unsere Fremdenführer und referierte über das damalige Schulsystem. Ein besonderes Gefühl hier zu stehen und die Geschichte spüren..
Dann nach Hovden, ein kleines Fischerdorf, das auch zu Hamsuns Revier gehörte. Hier bekamen wir Kaffee im Bygdehuset und eine sehr dynamische Dame erzählte über das Leben in einem Fischerdorf damals.
Nach einem überaus interessanten Tag fuhren wir zurück nach Sortland, wo wir vor dem Abendessen einen Vortrag bekamen von Inge Fagerbakk, Author des Hamsun Kochbuches „Ein delikates Bacalao. Hamsun und Essen". Glücklicherweise bekamen wir zum Essen kein Bacalao sondern ein delikates Lamm. Und zur Abschiedsmittag wurde diskutiert und Reden gehalten mit viel Stimmung.
Leider konnte Lars Saabye Christensen nicht Teil nehmen. Es war sonnst ein Interview mit ihm geplant.
Wir hatten viele gute Gespräche mit unseren Hamsun-Freunden, aber jetzt war die Zeit gekommen um gen Süden zu fahren mit guten Erinnerungen. Vielen Dnk für ein hervorragendes Seminar. Wir sehen uns wieder in zwei Jahren.
"Skogen og marken lærer du mig intet om, der føler jeg hvad intet menneske har følt." (Die letzte Freude).

"Det fins trakter på vår jord som man ikke kan forlate bare ved å reise derfra; landskaper som gir en så dyp og voldsom opplevelse at man blir nødt til å vende tilbake. For meg ligger disse strøkene nordpå, alle sammen." (Per Olof Sundmann).

Die wunderschönen Auszüge aus Knut Hamsuns Texten sind hier in Original wieder gegeben. Ich überlasse es Ihnen, die in Ihre bevorzugte Sprache und Übersetzung zu finden. Vielleicht werden Sie dann mehr als nur Auszüge lesen wollen...


© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at