Knut Hamsuns Geburtstag, 4. August 2011 (Foto: Niels-Henrik Jensen www.koldingskriveren.dk )

Feierlicher Geburtstagsfeier im Namen der Versöhnung.

Knut Hamsuns Geburtstag am 4. August wurde feierlich begangen in Hamarøy, mit Kranz-Niederlegung, Fotoausstellung, Kuchentheke und Enthüllung einer neue Hamsun-Büste vom Nico Widerberg

Heuer ist es genau 50 Jahre seit die erste Büste von Knut Hamsun auf Hamarøy enthüllt wurde. Die Büste, ein Geschenk des griechischen Künstler und Hamsun-Fan Georg Themistokles Malteso, wurde am 13. August 1961 von Lars Berg, Autor und Mitglied im Widerstand, enthüllt. Das genau Lars Berg, der selbst während des Krieges im Gefängnis saß und selbst furchtbares erlitten hatte, das er aktiv die Feier zu Knut Hamsun unterstütze, sind wohl die größte Zeichen von Wille zur Versöhnung und Wunsch nach Rechsstaatlichkeit. Es war deshalb ein Scoop, dass Hamarøy Lars Bergs Sohn, Einride Berg, bewegen konnte, die Geburtstagsrede an der Büste in Hamsund zu halten.
Nach ein herzliches Willkommen von Bodil Børset, Direktorin des Hamsun-Zentrums, erzählte Einride Berg über seine Wurzeln auf Hamarøy und über die große Leistung seines Vaters für die Kunst und für Knut Hamsuns Ehren. Dies trotzdem dass Lars Berg und Knut Hamsun während der Prozess gegen den Nobelpreisträger Carl von Ossietzky auf unterschiedliche Seiten standen und auch später während des ganzen Krieges. Es wurde ein ergreifendes Moment als Einride am Schluß seiner Rede sein Vaters Gedicht "Es steht eine Rose" lies. Das Gedicht wurde 1943 geschrieben, während Lars Berg im Gefängnis saß.
Dann legte Einride ein Kranz am Fuße der Büste nieder und wir ließen uns während der Schweigeminute Einrides weise Wörter nochmals durch den Kopf gehen.


Bodil Børset heißt uns Willkommen Einride Berg hält die Laudatio ...und liegt den Kranz nieder

Nach der Zeremonie gingen wir alle zum Elternhaus, wo eine Ausstellung im Stall Fotos von der Enthüllung in 1961 zeigte. Für die Einwohner von Hamarøy war es spannend ob man Freunde oder Familie von damals erkennen konnten. Und für ein Besuch im Elternhaus gab es natürlich auch Zeit.


Fotoausstellung im Stall des Elternhauses

Im Hamsun-Zentrum hatte man nun das Geburtstags-Kuchen-Büffet eröffnet. Sie wollen gar nicht wissen, wie himmlisch die Kuchen schmeckten :-)

Da 50 Jahre seit der Enthüllung der Büste in Hamsund vergangen waren, war man nun überglücklich eine neue Büste enthüllen zu können, ein Geschenk an dem Hamsun-Zentrum von Kirsten Hedvig Rasmussen und dem Künstler, Nico Widerberg. Und wer konnte besser geeignet sein, die Rede zu halten als Hamarøys beliebte Bürgermeister, Rolf Steffensen. Wenige haben die Gabe wie Rolf genau das Richtige zu sagen, er erklärt so wir alle verstehen, warum wir hier sind und warum wir uns stellen müssen zu Knut Hamsun als ein ganzer Mensch, ein genialer Dichter aber auch ein Mensch, der furchtbar irren konnte wie wir alle irren können und weshalb wir den Beispiel von Lars Berg folgen müssen mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Liebe zu wagen.

Rolf Steffensen und Bodil Børset dankten beide nicht nur die Geber der Büste sondern auch die Inhaberinnen von Hamarøy Galerie, Siv Reidun Sandnes und Brit Brattbakk, weil es den Beiden gelungen waren Nico Widerberg nach Hamarøy zu holen und weil die Beide uneigennützig Nico Widerbergs Büste aus ihre Galerie kostenlos abgab nur damit die Büste ins Hamsun-Zentrum kommen konnte.


Bodil Børset heißt uns Willkommen Rolf Steffensen enthüllt die Büste Gedränge im Foyer des Hamsun-Zentrums

Anschließend gab es im Konzertsaal des Hamsun-Zentrums ein Gespräch zwischen Einride Berg und den neuen literarischer Vermittler des Zentrums, Andreas Lødemel über Lars Bergs Werke und sein Verhältnis zu Knut Hamsun. Einride erzählte lebhaft und humorvoll nicht nur über die Werke seines Vaters sondern auch über sein Engagement für Kunst und Gesellschaft. Lars Berg hat nicht "nur" eine Reihe von Romane geschrieben über u.A. Unterdrückung, Sexualität und Tyrannei und über die Befreiung der Menschheit von Aberglaube und Ausbeutung; er hat auch für die Rechte Anderer zur Redefreiheit. Man erinnert sich ihm als Initiator für das Theater in Tromsø. Es galt ihm "den Nation zu bauen". Selbst nachdem er in den Händen der berüchtigten Rinnan-Bande geraten war und nach mehrere Jahren Gefängnis unter ständigen Angst vor Deportation in einen deutschen KZ-Lager, selbst danach behielt er das Glauben an die Zivilisation. Gerade deshalb ist es sicher auch in unsere Zeiten notwendig für Lars Bergs wichtigste Ideale zu kämpfen: Demokratie, Rechsstaatlichkeit und Redefreiheit.


Andreas Lødemel (links) und Einride Berg (rechts) im Gespräch

Und für die Jenige, die etwas Bewegung brauchte nach dem Kuchen-Büffet oder noch Platz im Kopf für mehr Erlebnisse hatten, für die war ein "Aben-Tour" veranstaltet, Hamarøys bekannte und beliebte Mischung aus Wanderung, Kunst und Literatur - diesmal mit Thema rund um den Gezeitenstrom Glimma und Hamsuns Quellen zur Inspiration. Leiter der Tor waren Andreas Lødemel und die Schauspielerin Eirin Edvardsen. Hier musste ich doch absagen und einfach weiter das Hamsun-Zentrum genießen.

Wie Sie verstehen können wurde es eine warme, humorvolle, feierliche und spannende Geburtstagsfeier, obwohl wir alle sehr betroffen waren von den Anschläge kurz bevor auf Utøya und Oslo, Anschläge die Trauer an viele Freunden oder Bekannten brachten.


© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at