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Hamsun-Festival in Hamarøy 4.-10. August 2008.


Hier geht es zu Hamsun!

Wenn Sie diese Webseite früher besucht haben, dann wissen Sie, dass wir jetzt zum fünften Male über die Hamsun-Tage in Hamarøy berichten. "Gibt es da überhaupt etwas neues?", könnte man fragen. Ja, Ja! Jedes Jahr ist anders! Seit 1982 findet die Hamsun-Tage in Hamarøy alle zwei Jahre statt, aber in jedem Jahr gibt es neue Veranstaltungen und man trifft neue Mennschen. Und nach diesem Jahr müssen wir nicht zwei Jahre warten bevor wir uns wieder "im Märchenland" sehen, nein schon nächstes Jahr treffen wir uns zum großen 150 Jahre Jubiläumsfeier und Einweihung des Hamsun-Zentrums.

Hier sehen Sie die Anfänge der Bauarbeiten. Aus diesen Kieshaufen werden wir nächstes Jahr ein Gebäude sehen, dass nicht "nur" ein Museum sein wird, sondern ein Zentrum: ein lebendiger Ort für Begegnungen und Inspiration für Hamsun-Enhtusiasten, für Anfänger in Sachen Hamsun und für Mennschen, die an der Strasse vorbeifahren, neugierig werden und "es nur kurz anschauen" wollen. Hier werden nicht nur Buch-Liebhaber angesprochen sondern gleichermaßen architektur-interessierten Mennchen und Leute, die einfach schöne Gebäude und neue Ideen mögen. Norwegen mäusert sich langsam zu einer der interessantesten Länder wenn es um moderne Architektur geht: Bemerkenswert ist die Linie von den Stabkirchen und vorwärts bis zure neuen Oper in Oslo, der Atlantikstrasse, dem Ölmusum in Stavanger, dem Museum Norveg in Rørvik UND zum Hamsun-Zentrum in Hamarøy. Wahrscheinlich wird Norwegen bald zu einem MUST für kontemporäre- und zukunfts-orientierten Architekturinteressierte. Und wir haben das Privileg dem Hamsun-Zentrum von der Geburt an zu folgen!

Die wie immer gleichermaßen festliche und fröhliche Eröffungsfeier fand heuer am Knut Hamsuns Elternhaus in Hamsund statt. Und wie immer schien die Sonne während den ganzen Festival. Es wurden Reden gehalten von Arne André Solvang vom Museum, von Bürgermeister in Hamarøy und Vorsitzender der Hamsun-Stiftung Rolf Steffensen, von Kultur- und Umweltrat Nordland Geir-Ketil Hansen, von Vigdis Moe Skarstein vom Norwegischen Nationalbibliothek und Koordinatorin für das Jubiläum in nächstem Jahr und von Marianne Apold von der Hamsun-Stiftung Hamarøy als Verantwortliche für die Hamsun-Tage.

Jeder Redner/In freute sich natürlich auf den Veranstaltungen der nächsten Tage, auf den Feierlichkeiten und ins besondere über den Start der Bauarbeiten am Hamsun-Zentrum. Ein Wehrmutstropfen war die Fährverbindung nach Lofoten. Diese Verbindung wurde Anfang des Jahres von 11 tägliche Fahrten auf 1 (sic!) gekürzt. Es macht aus ökonomischer Sicht gar kein Sinn zuerst sehr viel Geld in ein modernes und repräsentatives Bauwerk zu stecken, von dem ganz Norwegen stolz sein konnte und ein Magnet für Tourismus in der Region wäre und gleichzeitig die natürlichen Verkehrsverbindung kappen, die alle Touristen nehmen würde auf ihrem Weg nach Lofoten. Es ist eine Katastrophe für die Bevölkerung auf beiden Seiten, auf dem Festland und in Lofoten, es ist eine Katastrophe für die Industrie und die Wirtschaft insgesamt und es ist ein Ärgernis für die Touristen. Es ist ein einleuchtender Fehler, der jetzt korrigiert werden müssen. Zweifelt man über die Passagierzahlen, dann sollte man die üblichen 11 Verbindungen ein Paar Jahre aufrecht erhalten, Passagiere zählen und wenn dann ein Rückgang der Passagiere festgestellt wird, dann kürzt man die Anzahl der Verbindungen, aber erst dann!

Die dunklen Wolken (in übertragener Sinne) wurde dann vertrieben von mitreißende Musik der jungen Mennschen in Hamarøy Kultur- og Musikskole und die immer engagierten Laienschauspielern der Hamarøy teaterlag mit einer Szene aus der diesjährigen Vorstellung Segen der Erde.


Rolf Steffensen Even Arntzen

Als die Eröffnung der Hamsun-Tage in diesem Jahr am 4. August lag, Knut Hamsuns Geburtstag, konnten wir sofort zur Hamsun-Büste gehen und den traditionellen Kranz niederlegen. Bürgermeister Rolf Steffensen und Vorsizender der Hamsun-Gesellschaft Even Arntzen hielten kurze und würdige Ansprachen.


Geir-Ketil Hansen Werke von Linn K. M. Kalseth Professor Michael Schmidt und Anne Tømmerdal

Danach wurde die diesjährige Kunstausstellung in der Museumsscheune auf Hamarøy Freilichtmuseum eröffnet. Gezeigt wurde - außer Stockfisch :-) - originale Arbeiten in Glass von Linn K. M. Kalseth zur Thema Macht und Moral sowie Holzschnitte von Friedrich Karl Gotsch und Oskar Kokoschka unter den Titeln Hamsun. Epilog. und Auf überwachsenen Pfaden. Die Kunstausstellung ist in diesem Jahr quantitativ kleiner geworden um Platz für ein erweitertes literarisches Programm zu schaffen, aber die private Galerien zeigten auch wie immer spannende Kunst.

Das Thema für die diesjährigen Hamsun-Tage lautete Macht und Moral. Basierend auf Knut Hamsuns Leben und die Strömungen der Nachkriegszeit sollten wir wichtige und leider sehr aktuelle Fragen wie: Was ist Macht? Wie wird Macht eingesetzt - und misbraucht? Was passiert mit Menschen, die Macht besitzt or Macht verliert? Wir gehen spannende Tage entgegen.

Das literarische Programm war wie gesagt in diesem Jahr noch intensiver und mehrere Authorentreffen wurden veranstaltet:

- Edvard Hoem und Sødersang, ein Abend wo Authoren, Gedichte und Musik ein perfekten Einklang fand.

- Die Authorin Rosa Ahmed wurde von Professorin Siri Meyer interviewed. Angesagt war auch Sigbjørn Skåden, er wurde leider verhindert.

- Norwegischer Radio, NRK, zeichnete zwei Sendungen für ihre Studio Sokrates auf mit dem Titel: Hamsun, Jazz and Psychoanalyse. Musikalisch wurde die Sendungen von der Gruppe Ofotr begleitet. Auch hier war alles ausverkauft trotzt die vielen extra Stühle. Die Sendungen kann im Internetradio gehört werden unter: Knut Hamsun og psykoanalysen Teil 1 und Knut Hamsun og psykoanalysen Teil 2 .

- Gehen (oder die Kunst ein wildes und poetisches Leben zu leben...) lautete der Titel einer literarischen Wanderung zum Trollvannet und Bjørndalsklubben mit dem Author Tomas Espedal.

- Professorin Siri Meyer im Gespräch mit dem Authoren Vigdis Hjort und Stig Sæterbakken.

- Jam ist nicht nur Musik: Der Author Frank A. Jensen und seine Kollegen vom Nordnorsk forfatterlag trafen sich zu einem literarischen Jam mit Vorlesung.

Einer der Eckpfeiler der Hamsun-Tage in Hamarøy ist das literarische Seminar der Hamsun-Gesellschaft:

Das Seminar wurde in diesem Jahr von Bürgermeister Rolf Steffensen und von Seminarleiter und Vorsitzender der Hamsun-Gesellscaht Even Arntzen eröffnet.

- Der erste Vortrag wurde von immer engagierte Nils Magne Knutsen gegeben. Besprochen wurde Seine Seele war sowohl Schwarz als Weiß, über Macht und moralischen Dilemmas bei Knut Hamsun.

Das Stipendium der Hamsun-Gesellschaft wird immer während des literarische Seminar verliehen und die Preisträgerin in diesem Jahr wurde die russische Wissenschaftlerin und Übersetzerin Eleonora Pankratova. Sie bekam den Preis für ihre unermüdliche Einsatz um Neuübersetzungen und Neuverlegungen von Knut Hamsuns Werke in russischer Sprache. Diese Arbeit ist besonderes wichtig, da Hamsuns Popularität im russischen Sprachraum traditionell am größten war. Hier hat man Hamsuns Figuren und sein Univers erkannt, verstanden und geliebt. Deshalb ist es wichtig, dass auch neue Generationen zugang zu seinem Werke bekommen. Herzlichen Glückwünsche an Eleonora Pankratova!

Danach war Empfang in Hamsuns Hof Skogheim und ein wiedersehen mit vielen alten Hamsun-Bekannte und -Freunde, wir trafen neue Hamsun-Interessierten, es wurde diskutiert und debattiert über Hamsun und über Hamsuns Werke bis wir zu Mitternachtskonzert im Garten des Elternahuses fuhren.

- Der nächste Tag fing an mit einem sehr verständigem Vortrag von Wenche Rokkan Iversen aus Svolvær: Über Ehebruch und Sexualität in Hamsuns Werke.

- Weiter ging es mit Professor Per Fugelli aus Oslo mit Das Mysterium Gesundheit. Hamsun als Lehrer für Heilkunde.

- Nach dem Mittagessen nahm uns Professor Hans Fredrik Dahl, Oslo mit zu Nazismus und Moral.

- Der letzte Tag began mit Professor Stefanie v. Schnurbein aus Berlin, die (in perfekten norwegisch) über Die Ökonomie des Hungerns. (Un)Moral und (Ohn)Macht in Hunger sprach.

- Die Debatte um eine mögliche Benennung eines Knut Hamsuns Platz in Oslo wurde referiert von Torgrim Eggen, Oslo in Nicht den Krieg erwähnen!

- Letzter Punkt des diesjährigen literarischem Seminar wurde ein Interview mit Gerd-Liv Valla, Oslo über Macht besitzen - Macht verlieren.

Sogar mein Reisepartner musste das Interview hören und es wurde ein sowohl schauriges als auch spannendes Ereignis. Schaurig als wir sahen in welchen Kafka'schen Zirklen ein Mensch getrieben werden kann, falls man entschließt sich dieses Mensch zu zerstören. Hier werden Netzwerke mit bewusst destruktiven Kräfte eingesetzt und diese Netztwerke können Institutionen und Berufsgruppen einbeziehen, die allgemein für positive Werte stehen wie Presse oder Gesundheitswesen (Psychiatrie). Das Interview wurde gleichzeitig spannend als wir sahen, dass Machtstrukturen nur aus Menschen bestehen und also kein Naturgesetz sei, kein Kismet oder gar etwas Übersinnliches. Die Parallele zwischen Knut Hamsun und Gerd-Liv Valla ist ja einleuchtend. Aber sowohl Knut Hamsun als Gerd-Liv Valla haben jeder für sich und auf seine Weise eine menschliche Würde behalten können trotz solche Erlebnisse. Ein toller Interaktion zwischen Even Arntzen und Gerd-Liv Valla hebte das Interview weit über ein Einzelschicksal hinaus (obwohl sehr schmerzhaft für die Beteiligte) und machte daraus eine prinzipielle Diskussion: Wie wird Macht von Wem benutzt? Das Interview erntete enthusiatischen Beifall und sorgte für viel Diskussion danach.

Impressionen aus dem literarischen Seminar:


Rolf Steffensen öffnet das Seminar; Seminarleiter Even Arntzen; Nils Magne Knutsen; Leif Hamsun und Eleonora Pankratova
E. Arntzen Leif Hamsun Nina Frang Høyum und Hans Fredrik Dahl; Per Fugelli; Stefanie v.Schnurbein; Gerd-Liv Valla und Leif Hamsun
Per Fugelli und Leif Hamsun; Stefanie v.Schnurbein PerFugelli und Ronald Altinius; Even Arntzen, Gerd-Liv Valla und Torgrim Eggen
Interview mit Even Arntzen und Gerd-Liv Valla)

Aber die Hamsun-Tage sind nicht nur Literatur. Ein Füllhorn von Veranstaltungen fand im Laufe dieser intensen Woche statt. Der Eröffnungskonzert fand wie immer in Hamarøy Kirche statt, in diesem Jahr mit Lill Lindfors und Ketil Bjørnstad, und die Kirche war zum bersten voll - ja mehr als voll - man hatte von der Brandschutzbehörde eine Ausnahmegenemigung für zusätliche Plätze bekommen. Die eingefleischten Fans bekamen einen schönen Konzert mit guten Kontakt zwischen den Künstlern und Publikum und ein erlesenes Programm mit u.a. schönen Texten von Edith Södergran. Besondere Beifall bekam auch der Pianist Ketil Bjørnstad nach einer fulminanten Solo, er ist wahrlich ein genialer Pianist.

Der Lieblingskonzert meines Reisepartners wurde ein Abend im Garten am Elternhaus mit Otto Henning Kjelstrup und Ivar Kolve Trio. Unglaublich stimmungsvoll und intim wurde der Abend mit wunderschönen Arrangements, wo die Orient-Jazzige Klänge des Trios Otto Hennings rockige Interpretationen von Knut Hamsuns Texte umwarben und vertieften. Dass Otto Henning selbst mit Hamsun verwand ist und dass er ein älteres Familienmitglied durch Tonaufnahmen zu Wort kommen ließ, das gab den Konzert eine besondere Note. Nur die Kälte war fast unerträglich, als die Sonne hinter den Bergen hinunter ging - ein seltsamer Kontrast zu den warmen sonningen Tag. Viel Lob den Künstlern, dass ihr weiter machten und uns ein so wunderschönes Erlebnis schenkten!

Ein besonderes stimmiger Abend wurde auch die "Sing mit" Veranstaltung in Hamarøy Fiskecamping. Eine sehr inspirierte Band von lokalen VIPs spielte und das Publikum sang mit. Ein echt Vergnüglicher Abend mit ein Gläschen Wein, schöne Umgebung, frohe Menschen, viel Gelächter und seriösen Gesprächen dazwischen. Es gibt wohl schlimmeres auf der Welt.

Die Laienschauspielertruppe Hamarøy Teaterlag ist eine Institution unter den Hamsun-Tagen. In diesem Jahr hatte man Segen der Erde dramatisiert. Eigentlich sehr waagemütig, da sowohl das Nationaltheater in Oslo als auch Juni Dahrs Produktion von Segen der Erde beide vor kurzem großartige Rezentionen bekommen hatten. Der Clou des Teaterlaget war es, das Motto der diesjährigen Hamsun-Tage als tragendes Element der ganzen Vorstellung einzusetzen und durch Tableaus Focus auf Macht und Moral (und der Unmoral des Machts) zu setzen. Toll gemacht von alle in Hamarøy Teaterlag!

Das Konzert mit Åge Aleksandersen og Sambandet in der zum bersten volle Sporthalle von Hamarøy war ein Hammer! Über zwei Stunden ohne Unterbrechung gaben die Musiker einen starken Szenenshow vor ein begeistertes Publikum ab. 800 Fans aus dem Häuschen - vom Teenager bis zum Opa - alle drängelten sich vor der Bühne, versucheten die Musiker zu berühren, applaudierten, kreischten und sangen mit auf jedes Nummer. Was für eine Spielfreude und was für eine Energie lieferten die Musiker! Pure, unverfälschte Rock, ja, das Publikum spürt sofort wenn Qualität und Engagement gezeigt wird. Absolut das Konzert des Jahres!


Åge Aleksandersen og Sambandet

Zum Schluss müssen wir EINIGE der Veranstaltungen erwähnen, wo wir nicht dabei sein konnten, da die Zeit einfach fehlte:
Markttage in Skutvik, Tranøy und Oppeid, Schreibkurs für Jugendliche, Kunstschule für Kinder und Jugendliche, Konzert mit Ida Maria (sie hat gerade riesen Erfolg in England und laut alle mit denen wir redeten war es ein fantastischer Konzert), den Troubaduren Dag Kajander und Kai Larsen, Leben in Lofoten, literarische Bergtouren, Verleihung des Augustpreises (ein Preis für Initiativ, gestiftet von der Gemeinde Hamarøy), Jam, literarischer Jam, Gottesdienst am Gezeitenstrom Nes, Bücher für Kurze mit Kod og Tod, mehrere Konzerte in den Galerien, geführte Kletterpartien, segeln im Gezeitenstom.... - und wir haben bestimmt einiges vergessen!

Vielen vielen Dank an alle in Hamarøy für wunderbare Tage. Wir sehen uns wieder (wenn nicht früher) zur Einweihung des Hamsun-Zentrums am :

04. august 2009!


© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at