Seit 1982 wird in der nordnorwegischen Kommune Hamarøy ein Hamsun-Festival, die "Hamsun-Tage" veranstaltet. Knut Hamsun verbrachte auf Hamarøy zwei wichtige Abschnitte seines Lebens und fand dort Inspiration für seine Werke. In diesem Jahr feierte man also 20-jähriges Jubiläum.
Mir, die ich die Hamsun-Tage schon dreimal erleben durfte, schien es von vornherein gänzlich unmöglich, das Niveau vom letzten Festival zu überbieten, aber manchmal täuscht man sich: Die Organisatoren, die Hamarøy-Kommune und die vielen hart arbeitenden Freiwilligen hatten wieder ein erstklassiges Programm zusammengestellt. Vom 2. bis 11. August wurde eine Vielfalt von Veranstaltungen geboten: Kunstausstellungen, Konzerte, Theater, Lesungen usw. Während dieser Tage fand auch das Literaturseminar der Hamsun-Gesellschaft statt. Sowohl nationale als auch internationale Medien berichteten ausführlich von den Hamsun-Tagen.

Von allen Veranstaltungen zu berichten würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, aber ich hoffe, daß die von mir hier behandelten Events einen Eindruck von der Quantität und der Qualität dieses Festivals vermitteln.  Und vielleicht trägt es dazu bei, daß der Leser selbst an den nächsten Hamsun-Tagen auf Hamarøy im Sommer 2004 teilnimmt? 

Skogheim

Eröffnung:
Die traditionelle Eröffnung der Hamsun-Tage auf dem Platz zwischen dem Rathaus und Skogheim, wo Hamsun von 1911 bis 1917 wohnte, wurde wieder ein Renner. Fast ein Drittel der Einwohner ganz Hamarøys war gekommen, um zusammen mit den geladenen Gästen (zuzüglich Presse, Fotografen, Fernsehen etc.) dem Vorsitzenden des Hauptkomitees der Hamsun-Tage, Rolf Steffensen, und der Bürgermeisterin, Maj Valle, dem "Öffnen der Wundertüte" beizuwohnen.
Eine eigens für diesen Anlaß komponierte Fanfare wurde vom Balkon des Skogheim gespielt - ein sehr modernes und ehrgeiziges Musikstück!
Herbjørg Wassmo (AUCH ein(e) weltberühmte(r) Autor(in) mit Wurzeln auf Hamarøy!) hielt eine ungeheuer witzige, satirische und präzise Ansprache an Hamsun.
Terje Nilsen und Partner sorgten mit Liedern für viele schmunzelnde Gesichter.
Leif Hamsun, der Enkel Knut Hamsuns, würdigte in seiner Ansprache die Kompetenz, zu der es Hamarøy in den vielen Jahren harter Arbeit gebracht hat und betonte, wie wichtig es sei, den Bau des nationalen Hamsun-Zentrums auf Hamarøy zu realisieren, ein Thema zu dem auch der Vorsitzende des Hamsun Laget in Lom, Per Eiliv Nyrnes, ausführte. Dieses Projekt wird vom Fylke Nordland und der Kommune Hamarøy unterstützt.
Knut Kjøk, der auch aus Lom kommt und einer der besten norwegischen Volksmusiker ist, spielte norwegische Folklore vom Balkon des Skogheim (hier mein persönlicher Dank an Knut Kjøk für sein Konzert für uns "Auserwählte" auf dem Zimmer! Es war sehr gemütlich und stimmungsvoll).
Es war so schön, die hervorragende Zusammenarbeit, die zwischen den verschiedenen Sektionen der Hamsun Gesellschaft praktiziert wird, zu erleben - was auch die zu dieser Eröffnungszeremonie angereisten Gäste bezeugten. Der "Fall Hamsun" ist in guten Händen.

Ehrengäste der Hamsun-Tage: Toril und Leif Hamsun.

Kunstausstellungen:
Von der Eröffnungsfeier ging man direkt zur Eröffnung der Kunstausstellungen über. Wie immer waren sowohl norwegische als auch internationale Künstler eingeladen, die in Hamsuns Hof Skogheim, im Freilichtmuseum, im Stall des Pfarrhofes und im alten Mehllager ausstellten. Es ist faszinierend, der Kunst in diesen ungewöhnlichen Umgebungen zu begegnen - moderne Kunst und alte Ställe ergeben gute Rahmenbedingungen für den Dialog Kunst-Wirklichkeit und stellen den roten Faden der Hamsun-Tage dar. Vielleicht kommen gerade deshalb jedes Mal anerkannte Künstler nach Hamarøy. Viele rote Aufkleber an den Kunstwerken zeugten von überdurchschnittlich erfolgreichen Verkaufszahlen - zu Recht!
Kunstgewerbe wurde in der Schule gezeigt und die Kinder hatten ihre eigene Ausstellung im Rathaus. Selbstverständlich waren auch die privaten Galerien geöffnet: Die Hamsun-Galerie war mit mit Karl Erik Harrs Hamsun-Illustrationen in Walsøes Kaufladen, wo Hamsun arbeitete, vertreten. Die Tranøy-Galerie zeigte Tor Arne Moens Hamsun-Gemälde in dem wunderbaren Café mit dem unübertroffenen Blick über den Vestfjorde zu den Lofoten.
Der phantastische Naturfotograf Bjørn E.Olsen hatte eine separate Ausstellung im Café bei Hamsuns Elternhaus in Hamsund.

Hamsuns Geburtstag:
Eine feste Tradition innerhalb der Hamsun-Tage ist eine Feier zu Hamsuns Geburtstag am 4. August. In diesem Jahr begann diese mit einem stimmungsvollen Gottesdienst mit samischen Psalmen, zelebriert von Pfarrer Rolf Steffensen und Kantor Berit Valberg im Garten vor Hamsuns Elternhaus. Der Leiter des Freilichtmuseum und des Museums "Hamsuns Elternhaus", Magnus Hamsund, erzählte von der großen Menge Arbeit bei der Restaurierung des Elternhauses Knut Hamsuns. Alles muß nach authentischer handwerklicher Tradition mit Zustimmung des Reichsantiquars geschehen. Die Hamarøy-Kommune hat hier ein unschätzbares Kleinod geschaffen.
Dann versammelten wir uns an der Hamsun-Büste in Hamsund wo Knut Kjøk zarte, feinfühlige norwegische Musik spielte. Per Eiliv Nyrnes hielt eine sehr persönliche und engagierte Ansprache, in der er den Einfluß von Hamsuns Dichtung auf (insbesondere) junge Menschen beschrieb und in der er versuchte, die Hintergründe für Hamsun Erfolg zu erkunden: Die künstlerische Ader in Hamsuns Familie und die Blüte der Kultur als Folge der verbesserten Lebensbedingungen. Er ging auf die Wechselwirkungen zwischen den Kulturen ein: Hamsuns kulturelle Wurzeln im Bauernmilieu und das Erleben der nordnorwegische Küstenkultur in seiner Kindheit, wobei Per Eiliv eine elegante Überleitung zur unserer Zeit gelang.
Danach wurde ein Kranz niedergelegt.
Zum Abschluss gingen wir ins Hamsun-Café, wo Herbjørg Wassmo abwechselnd aus Hamsuns und ihren eigenen Werken las. Knut Kjøk, erzählte und spielte seine (und seines Vaters) schöne Volkslieder.

Solidox Kids:
Mein größtes Erlebnis während der Hamsun-Tage wurde die Aufführung "Eine Handvoll Hamsuns Frauen" gespielt im Loft über den Stall des Pfarrhofes: Fünf Frauenfiguren aus Hamsuns Werken wurden so überzeugend und tiefgründig dargestellt -das Publikum war ganz aus dem Häuschen! Jetzt kann kein Literaturforscher mehr behaupten, daß Hamsuns Frauenfiguren klischeehaft oder banal seien! Ausgestattet mit nur wenigen Requisiten (fünf Kleider, ein Klavier, ein Podest für den Erzähler eingehüllt in lange Seidentücher (Brautschleier, die Fäden der Nornen, Trauerflor alles im einen)) und überaus sorgfältig ausgewählten Texten wurde jede Frauengeschichte erzählt. Der Erzähler auf seinem Podest (ein souveräner junger Mann!) verknüpfte alles zu einer Einheit.
Leif Hamsun, der nach der Vorstellung Blumen überreichte, gab weiter wie angetan wir alle waren. Diese 15-17 jährigen (!) jungen Leute sind einfach so begabte Schauspieler!

Dvergmål (Echo):
Mein zweites großes Erlebnis wurde die Uraufführung von "Dvergmål" (Echo) des Komponisten Svein Schultz. Schultz hatte eine Fläche unter dem Gipfel des Hamarøyskaftet - dem Wahrzeichen Hamarøys - gefunden und hatte dort Trompeten, Tuba, zwei Schlagzeuge, eine Vorleserin, Elektronik und Aufnahmen von Knut Hamsuns Stimme in die Landschaft plaziert. Es wurde ein fabelhaftes Erlebnis, als Schultz Dialoge zwischen den zwei Schlagzeugen, zwischen Schlagzeugen und Bläsern, zwischen Musik und Stimme, zwischen der Gegenwart und der Zeit Hamsuns sowie zwischen Kultur und Natur entstehen ließ, als die Echos vom Hamarøyskaftet hinunterdonnerten. Es war komplexe, grenzüberschreitende Gegenwartsmusik, nein, es war mehr als "nur" Musik: Ein Gesamtkunstwerk!
Sehr erfreulich war, daß mehrere hundert Menschen die strapaziöse Bergwanderung mitmachten, um die drei Konzerte zu erleben. Die Natur hat die ersten Aufführungen mit Aussichten auf phantastische Sonnenuntergänge über Vestfjord und Lofoten belohnt. Während der letzten Aufführung waberte Nebel hin und her und verdeckte zeitweise den Hamarøyskaftet oder ließ uns Schatten erahnen. Es war, als spüre man tatsächlich "die Unterirdischen".

Bücherbad:
Das diesjährige Bücherbad fand auch im Loft über der Stall des Pfarrhofs statt. Wo sonst hätte man zwei Diskussionsteilnehmer und ein großes Publikum dergestalt unterbringen können, so daß eine intime und stimmungsvolle Atmosphäre aufkommt? Ein gut aufgelegter Autor Per Knutsen und eine bestens vorbereitete Moderatorin Lisbet Kristine Hansen plauderten und bezauberten. Man zitierte sich durch den Abend, so verging die Zeit wie im Flug. Ich war direkt enttäuscht als es vorbei war -ich hätte gerne noch mehr gehört. Und das, obwohl ich im Vorfeld nicht gerade begeistert war von den zwei Büchern von Per Knutsen, die ich gelesen hatte. Plötzlich war mir, als ginge für mich ein Vorhang auf und ich sah die Zusammenhänge in Knutsens 22 (!) Büchern. Plötzlich hatten wir so große Themen wie Intoleranz oder Mystizismus behandelt, das kürzeste Kapitel der Literaturweltgeschickte (drei Worte) gehört und uns wurde gezeigt, daß, wenn etwas nicht in Ordnung ist, nur anpacken und selber besser machen hilft. Man bekam wirklich Lust, mehr von Knutsen zu lesen - und das ist wohl das Beste, was ein Autor sich wünschen kann.

Hamarøy teaterlag
hatte sich in diesem Jahr "Mysterien" vorgenommen. Damit hatte man ein sehr schwieriges Stück auf die Bühne zu bringen, doch dank der langjährigen Erfahrungen des Theatervereins klappte es wieder und die Schauspieler wurden mit vier total ausverkauften Aufführungen belohnt. Besonderes die Mimik des "Minuten" war überzeugend. Ein Segen für den Theaterverein ist Andrej Stepanov mit seinen begabten Musikern, ein Segen für die Aufführung war die von ihm komponierte Musik.

Kirchenkonzert
mit Arve Tellefsen. Die Kirche war zum Bersten voll, als der weltberühmte Geigenvirtuose und sein hervorragender Pianist Håvard Gimse spielten und plauderten. Ein Dank an die Veranstalter, die es möglich machten, daß trotz enger Platzverhältnisse so viele Leute die Intensität und Mühe Tellefsens -der ja die großen Bühnen der Welt kennt- an so einem "kleinen und unbedeutenden" Ort wie Hamarøy genießen konnten. Tellefsen versteht die Kunst, locker von Musik zu erzählen und dann voll konzentriert auf Weltniveau zu spielen. Bravo!

Mehr Kirchenkonzert:
Mitternachtskonzert mit dem Barockensemble Arctimus. Hier wird es im Publikum bestimmt große Meinungsverschiedenheiten zu dem Erlebten geben. Über Geschmack läßt sich bestimmt streiten. Ein großes Lob an das Ensemble für die Wiederentdeckung vergessener Komponisten (so man nicht WIEDER die alten Stücke hören mußte), für die Ausgewogenheit zwischen Solo- und Ensemblespiel und für dessen Mut zu konsequent avantgardistischer Spielweise (jede Generation interpretiert ja die alten Meister neu). Auch hier Lob an die Veranstalter, die es wagten, auf solche unorthodoxen Sachen zu setzen.

Bob Dylan in norwegisch:
Geht das überhaupt? Ja, das kann man wohl sagen! Arve-Gunnar Heløy und seine Musiker gaben die Texte von Tore Hestbråten voller Elan in dem verräucherten Pub unter Gjestegården zum Besten. Blues und solider Gitarren-Rock begeisterte das Publikum bis in die späte Nacht - und das, obwohl einige der Musikern zuvor beim Dvergmål-Konzert am frühen Abend mitgespielt hatten. Welche Energie und Freude an der Musik!

Außerdem
alle Veranstaltungen die wir gerne besucht hätten, aber nicht konnten, weil man nicht mehrere Veranstaltungen zur selben Zeit besuchen kann:
- Kaizers Orchestra, Norwegens beste Hardcore-Band, welche die Hamarøyhalle zum überlaufen brachte
- literarische Abend-Törns mit traditionellen Segeljachten
- Hamsun Texte mit neuer Musik von Tor Magne Braathen
- Liederabende mit Terje Nilsen und Partner
- Panzer, mehr Rock
- Blueslegenden
- Silje Nergård, Norwegens international bekannte Jazz-und-noch-viel-mehr-Sängerin mit Band
- Marie Takvams Gedichte zur Musik, von und mit Berit Valberg, Tranøy Leuchtturm
- Lyrik und Musik, Literaturcafé, samischer Erzählerabend..... UFF, ICH GEBE AUF!!

Außerdem gab es alles, was zu einem richtigen Volksfest gehört: Tivoli, geführte Wanderungen, Fußballschule, Markttage, Pferdefestival, irische Volksmusik, Bälle. Es ist unmöglich, sich auf Hamarøy zu langweilen.

Hamsun Selskapets Literaturseminar:
Kernpunkt der Hamsun-Tage ist ja das Literaturseminar, zu dem sich Wissenschaftler und Hamsun-Enthusiasten treffen, um Vorträge zu den neusten Ergebnissen der Hamsun-Forschung auf höchstem Niveau zu hören. Neuer Verantwortlicher für das Literaturseminar ist seit diesem Jahr Even Arntzen, der, wie sein Vorgänger Nils Magne Knudsen, von der Universität Tromsø kommt. Das Seminar wurde von Alf-Einar Øien, Vorsitzender der Hamsun-Gesellschaft, eröffnet. Thema des diesjährigen Seminars waren Hamsuns Arbeiten aus den 1890'ern.
Ich freue mich immer schon vorher auf die Vorträge. Welche Schüssel hat man gefunden, welche Interpretationen bekommt man diesmal zu hören?
Man sieht an dieser Zusammenfassung, daß es schwierig ist, das Wesentliche eines jeden Vortrages richtig wiederzugeben. Ich empfehle also dringend, das Buch mit den Vorträgen zu kaufen (direkt bei der Hamsun Gesellschaft). Das Buch erscheint Ende des Jahres und wenn man es hat, kann man sich besser in die Thesen und Ideen vertiefen. Vielen Dank an Even Arntzen, der so gute und kompetente Referenten verpflichtet hatte. Mein Wunsch für zukünftige Seminare wäre ein bißchen mehr Zeit, so daß man auch Fragen stellen könnte.
Das Seminar wurde von Alf-Einar Øien, Vorsitzender der Hamsun Gesellschaft, eröffnet.

  Alf-Einar Øien  Even Arntzen

Dr. philos. Lars Frode Larsen aus Oslo erzählte vom politischen Engagement des jungen Hamsun. Nach Larsens zwei dicken Bänden mit Grundlagenforschung zu Hamsuns Kindheit und Jugend (Band 3 ist in Arbeit und wird voraussichtlich im Oktober erscheinen) ist die These, daß Hamsun immer zutiefst konservativ war, entkräftet. Er war als junger Mensch absolut radikal. Leider dauert es wohl noch lange bevor es auch der Letzte zur Kenntnis genommen hat; denken Sie nur an den Mythos des "bösen Onkel Hans", der Hamsun so geplagt hatte. Der Onkel kann so böse gar nicht gewesen sein, er und seine Haushälterin nahmen ja auch Hamsuns Schwester Sophie Marie (geboren 1864) als ganz kleines Mädchen zu sich - also während Knut auch beim Onkel lebte. Knut Hamsun selbst erwähnt dies überhaupt nie! All diese Fakten stellt Larsen mit gewohnter Gründlichkeit in seinem ersten Buch dar, es ist jedoch noch nicht allen bewußt!
Der Psychologe Christian Schlüter und der Psychiater Sigmund Karterud stellten ihr neues Buch vor, in dem... nein, nicht Hamsun, sondern die Figur des Nagel (aus "Mysterien") mit modernsten psychologischen Methoden analysiert wird.

Lars F. Larsen  C. Schlüter und S. Karterud

Cand. philol. Ane Farsetås aus Oslo referierte über psychologische und ästhetische Ideale mit Bezug auf "Hunger" und "Mysterien" in Hamsuns literarischem Programm. Das Referat war voll feinfühliger Vergleiche und Stimmungen.
Professor Erik Østerud aus Trondheim referierte in "Von Pedersen zu Hamsun" über Mythos und Eigenschaften des Namens in Gesamtwerk. Sehr interessant und erleuchtend.

A. Farsetås   E. Østerud

Der Schriftsteller Jonny Halberg, Moss erzählte von der Inszenierung von "Mysterien" am Nationaltheater. Ein sehr aktuelles Thema in dieser Zeit, wo Hamsuns Verhältnis zum Theater intensiv debattiert wird (War er theaterfeindlich oder nicht?) Es wird spannend das Ergebnis zu sehen, wenn es am Nationaltheater läuft.
Literaturkritiker Øystein Rottem aus Kopenhagen präsentierte sein neustes Buch und referierte zu "Redakteur Lynge", "Neue Erde" und Hamsuns literarisches Programm -ein Vortrag, dem ich im Voraus schon sehr zugetan war, weil meiner Meinung nach viel zu wenig über "Redakteur Lynge" und "Neue Erde" (Bücher, die ich mehrmals gelesen habe) gesprochen wird. Ich wurde nicht enttäuscht, Rottem lieferte (wie immer) einen lebendigen und interessanten Vortrag.

J. Hallberg  Ø. Rottem

Cand. philol. Ronald Nilsen Altinius aus Bodø hielt ein kontroverses Referat über Hamsun, den Orient und Hamsuns Verhältnis zum Buddhismus. Aber spannend war es und gut vorgetragen.
Dr. Maija Burima aus Latvia referierte über "Man and Nature in Hamsuns 'Pan'". Ich konnte eine Poesie und Schönheit im Referat spüren, obwohl ich eingestehen muß, daß ich Schwierigkeiten hatte, dem Text zu folgen. Ich freue mich darauf, diesen Vortrag noch einmal als Buch lesen zu können. 

R. N. Altinius   M. Burima

Cand. philol. Ragnhild Hagen Ystad aus Bergen sprach zu " 'Siesta', ein literarischer Schlummer. Knut Hamsuns Novellensammlung von 1897". Nein, wir bekamen bestimmt keine Lust auf einen Schlummer während dieses Vortrags. Sehr interessant und schön vorgetragen.
Der Erste Amanuensis Even Arntzen aus Tromsø hatte trotz seines Jobs als Seminarleiter die Zeit gefunden, ein Referat über die Kareno-Trilogie zu halten. Wieder ein spannender Vortrag über eines meiner Lieblingsthemen: Hamsuns Schauspiel. Bravo, Even Arntzen, ein würdiger Abschluss des Seminars! Jetzt warten wir mit Ungeduld auf das nächste Seminar und sind gespannt, welche Themen da angesprochen werden. 

R. H. Ystad

Wie immer wurde auch eine Exkursion angeboten. In diesem Jahr ging es zum Hansbakkan, wo Jan Egil Hafstad über Hamsuns Verbundenheit mit diesem Ort erzählte. Es war eine der amüsantesten Exkursionen an der ich je teilgenommen habe. Stellen Sie sich vor, wie über hundert Menschen auf im wahrsten Sinne des Wortes "überwachsenen Pfaden" wandern (zusammen mit einer Herde Kühe) auf der Suche nach den Überresten eine Torfhütte, in der Hamsun im Jahre 1900 schrieb. Die Aussicht war fabelhaft, kein Wunder daß Hamsun hier sein "Der Mönch Vendt" schrieb. Die Geschichte über die große Hochzeitsfeier auf Hansbakkan im Sommer 1900, wo Hamsun als Ehrengast eingeladen war und die ohne Mutter Karens beherztes Eingreifen in einem handfesten Skandal hätte enden können, sich so aber zu einer denkwürdigen (obwohl ungewöhnlichen) Begebenheit wandelte , wurde auch erzählt. Eine sehr amüsante Geschichte, die man in "Årbok for Hamarøy 1997" (geschrieben von Jan Egil Hafstad) nachlesen kann.

Konklusion:
Wie man sieht, sind die Hamsun-Tage auf Hamarøy eine großzügige Veranstaltung. Das Hauptkomitee, die Kommune Hamarøy und die vielen vielen freiwilligen Helfer, die ihre ganze Freizeit eingesetzt haben, damit alles klappt, können nicht genug gelobt werden. Daß man jetzt die Hamsun-Tage in Hamsun- Akademie umwandelt, stärkt hoffentlich nur die Kompetenz, die Hamarøy zum einzigartigen Hamsun-Fixpunkt auf der Welt macht.
Wie es das Hauptkomitee geschafft hat, daß Nordnorwegen und Hamarøy in diesem Jahr einen Jahrhundertsommer erlebten, weiß ich nicht, aber das Wetter war einfach herrlich. 
Das bleibende an diesen Veranstaltungen sind ja immer die zwischenmenschlichen Kontakte - Wiedersehen mit alten Freuden und das Knüpfen von neuen Freundschaften. Es ist leider unmöglich, all die sympathischen, offenen und herzlichen Menschen, die die Hamsun-Tage unvergeßlich machten, einzeln zu erwähnen. Ich hoffe, dass Ihr alle die herzlichen Gedanken spürt, die wir Euch senden! Wir hoffen, daß wir uns spätestens in zwei Jahren, zu den nächsten Hamsun-Tagen, wiedersehen.

Abschlußfeier des Literaturseminars am Glimma.

Nächste Hamsun Tage:
Die nächsten Hamsun-Tage auf Hamarøy finden 2004 statt. Es ist wirklich sehr zu empfehlen, einen Sommerurlaub auf  Hamarøy zu planen, dessen Mittelpunkt die Hamsun-Tage bilden. Eine Kombination von Kultur und Nordnorwegens Natur sowie das Zusammensein mit unglaublich offenen und engagierten Menschen - das gibt Energie für den Rest des Jahres!

Die nächsten Höhepunkte für Hamsun-Liebhaber gibt es schon 2003. Es sind drei Veranstaltungen geplant: im August eine in Lom und Grimstad sowie im September in Tromsø.


© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at