TAGE DER DICHTER IN LOM: 4-7 AUGUST 2005

"I marken har hver årstid sine undere, men altid og uforanderlig den tunge, umåtelige lyd fra himmel og jord, omringelsen til alle kanter; skogmørket, trærnes venlighet. Alt er tungt og bløtt, ingen tanker er umulig der." Knut Hamsun (Markens grøde)

(Auf den Feldern hat jede Jahreszeit seine Wunder, aber immer und unveränderlich der schwere, immense Laut des Himmels und der Erde, die Umzingelung zu allen Zeiten; die Dunkelheit der Wälder, die Freundlichkeit der Bäume. Alles ist schwer und weich, kein Gedanke ist da unmöglich. Knut Hamsun. Segen der Erde.)

Es war voller Erwartung, dass ich "Nagel" meinen gelben Polo in Karlsruhe startete und Kurs Richtung Norden setzte. Unendliche Kilometer lagen vor mir, aber in Lom lockte ein Programm mit spannenden Erlebnissen mitten in einer wunderschönen Natur. Dänemark näherte sich, während ich im Radio von politischen Probleme in Deutschland unterhalten wurde. Als der dänische Radio innerhalb Reichweite kam waren auch da politische Debatte und das spät nachts/früh morgens.
Nach ein Paar herrliche Tage bei meinen Schwestern wurde Kurs Richtung Frederikshavn und die Fähre nach Larvik gesetzt. Alles ohne Probleme mit der Ausnahme, dass ich auf der Fähre schlecht schlief, auch keine luxuriöse Kabine konnte helfen. Das Meer war ruhig aber das Schiff war voll von allen möglichen und unmöglichen Geräuschen von heiteren Mitreisende mit der Meinung, dass "schlafen - das können wir zuhause" - ein gutes Buch ist in eine solche Situation gute Gesellschaft. Es gibt nirgends wo es so wunderschön zu fahren ist wie in Norwegen, ich genoß die abwechslungsreiche Landschaft in vollen Zügen. Einige Pausen wurden gehalten, wo ich die frische Luft genoß und "Nagel" sich ausruhte, ja er lief und lief auf seine 4 neue Reifen, seine neue Bremsbeläge, sein neuen Auspuff, er war teurer ausgestattet worden als ich, die nur ein Paar neue Blusen gekauft hatte. Norwegen muß das Land mit den meisten Geschwindigkeitsmessungen sein, aber keine blitzte mich an während der Fahrt den schönen Gudbrandsdalen hinauf. Ich habe immer das Gefühl zu Hause zu sein, wenn ich nach Norwegen komme; als ob die ganze Landschaft etwas Warmes und Vertrautes sei. Dabei komme ich aus dem flachen Dänemark mit seinem höchsten Punkt 170 Meter hoch! Am Abend kam ich in Garmo bei Lom bei gastfreundliche Torunn Kjøk an, wo das Thema Hamsun sofort auf den Tisch war zusammen mit gutem Brot und lokale Spezialitäten "saltmad".
4. August, Knut Hamsuns 146sten Geburtstag "-du er en juvel midt i prikken på tiden!" (Segelfoss by)
(-Du bist ein Juwel mitten im i-Tüpfelchen der Zeit. Die Stadt Segelfoss.) und die Tage der Dichter fingen an. Ja, am ersten Programmpunkt konnte ich nicht Teil nehmen: 5 Stunden literarischer Wanderung in der prachtvolle Natur, welch eine Idee - wenn man also nicht einen Bandriss inne hatte! Statt dessen fuhr ich nach dem Frühstück zur Hamsuns Geburtshaus, ein wunderschönes Gefühl hier zu stehen gerade Heute. Ich entließ auch sofort die nette junge Guide, sie brauchte nicht über Hamsun zu erzählen, ich kenne ein Bißchen seiner Geschichte!


Hamsuns Geburtshaus

Dann wurden einige Stunden in Lom verbracht zusammen mit Legionen von Touristen, ja Lom ist populär und liegt wunderschön. Die Berge leuchten einem entgegen von allen Seiten und spiegeln sich in der Lomer See. Das Wetter ist schön, Sonne und feine Wolken und 18 - 19°; ein warmes Gefühl der Erwartung wuchs in mir.


Lom Zentrum

Leif Hamsun kam um 18Uhr bei Torunn an. Nach einen ausgiebigen Essen gingen wir die wenige hundert Meter zu Garmostræet, wo eine kleine Feierlichkeit statt fand zum Geburtstag. Torunn Kjøk hieß uns allen Willkommen, Knut Kjøk spielte und Leif Hamsun nahm uns mit rund um die Ereignisse, die zum errichten des Bautas führten, er sagte einige liebevolle und wohlerwogene Wörter über seinem Großvater und legte Blumen am Bauta nieder; eine stimmungsvolle und feierliche Weile.


Knut Kjøk Leif Hamsun

Dann ergab sich die Möglichkeit zu einem Gespräch unter den Teilnehmern; es ist ein ganz spezielles Gefühl hier zu sein am Ort wo Hamsun machte seine ersten Schritte, sagte seine erste Wörter, die gespeichert wurden in ein Gemüt so bebend und feinfühlig; ich ahnte ein unsichtbares Echo als ob Hamsuns Stimme noch in den Bergen lautet.

"Min frøken, det er dem jeg fortæller for, sa han så alle hørte det. De står som et sølvkors i solen. Det er ikke bare Deres skjønhet som er så stor, men det er Deres ungdom, Deres dejlige ungdom. De beruser mig med den og jeg blir gal etter den. Se nu Deres armer, hvor det er blod under huden på dem." (Erobreren) Kratskog.

(Mein Fräulein, es ist an Sie, ich diese Wörter richte, sagte er so alle es hören konnten. Sie stehen wie ein silbernes Kreuz in der Sonne. Es ist nicht nur Ihre Schönheit die so groß ist, aber es ist Ihre Jugend, Ihre wunderbare Jugend. Sie betäuben mich damit und ich werde verrückt danach. Sehen Sie Ihre Arme an, wie viel Blut unter der Haut ist. Der Eroberer. Die Stimme des Lebens und andere Novellen.)

Wieder zu hause bei Torunn, wo Bürgermeister Simen Bjørken und der gute Hamsun-Freund Ole Bjerke sich uns angeschlossen hatten, und die Gespräche liefen schnell über Rotwein und lokale Spezialitäten "spekemat". Ja, es gibt immer viel zu diskutieren in Hamsun Kreisen!
5 August. Um 9 Uhr Anfang des Literatur Seminars, das ein aufwendiges und interessantes Programm bot.
Professor Tore Pryser: 1905, national und örtlich; ein interessantes und aktuelles Thema.
Die Autorin Sigrun Slapgard: Sigrid Undset und die 2.Weltkrieg. In ein Paar Jahren wird Sigrun Slapgards Biographie über Sigrid Undset erscheinen, ich freue mich dieses Buch zu lesen, sie war ja eine spezielle Persönlichkeit mit sehr pointierten Ansichten..

VAR DET JEG
Livet har vist budt mig gaver
som jeg ikke tok imot -.
Jeg blev bedt, og jeg blev lovet
-det var jeg, som ei forstod.
Var det slik, jeg kom til målet,
gik forbi og ikke så det?

Jeg har gåt for langt og længe,
og nu kan jeg ikke nå det.
Er det mørkt, fordi jeg ikke
flammen på min lampe nærte -?
Fryser jeg, fordi jeg bærer
kulden i mit eget hjerte -?

Sigrid Undset

Der Schriftsteller Olaug Nilssen: Die Erbe: Die neunorwegische Sprache in der Literatur - ein Hemmschuh oder ein Trampolin für Höhenflüge?
Professor Håvard Teigen: Die Lom-Gesellschaft in 1945 und Ausmisten im Dunkeln von Tor Jonsson.
Um 18Uhr war "Spaß und Ernst" auf dem Programm in Lom Gemeindehaus. Eine zum bersten voller Saal konnte Jon Eikemo in Wort und Musik erleben, ein abwechslungsreiches Programm mit u.A. Gedichte von Tor Jonsson, Per Sivle und Jakob Sande. Edvard Hoem hatte auch einen interessanten Vortrag: 1905 - Gedächtniswürdig. Hoem schloss sein hervorragenden Vortrag mit der Aufforderung an Menschen, nationale und internationale Politikern um weiter Voraus zu schauen als nur zu sichere Wirtschaftsinteressen und statt dessen für eine globale Gemeinschaft zu arbeiten um das beste in jeder Nation zu sichern.
Gelesen wurde dann aus den Ergebnissen der Autorenwettbewerb für junge Leute. 2 Novellen og 2 Gedichte wurden vorgestellt, ausgezeichnet feine und ausgearbeitete Werke.
Der Abend endete mit einem "Dichterdiner" in Fossheim Hotel mit einem gut aufgelegtem Ingar Kolloen als Kjøgemeister, wie es in norwegisch heißt. Der Schriftsteller Olaug Nilssen: Häppchen - nein, es war nichts zum Essen sondern dichterische Einschläge. Musikalische Einschläge: Aslak Opsahl Brimi. Was man alles in Lom von guten Musikern anbieten können ist unglaublich.
Wir bekamen ein unglaublich delikates Essen serviert mit røya als Vorspeise. Das löste eine Diskussion aus mit meinem Tischnachbar Leif Fiske wie dieser Fisch røye in dänisch hieße und Nachschlagewerke wurden eingeholt. Im übrigen ein herrlicher Abend mit etwas für die Augen, die Ohren und die Sinne. Ja, man wird ständig weiser, nicht nur im Bereich der Literatur.
"Vi er allesammen på reise til et land som vi kommer tidsnok til" (Paa Gjengrodde stier).
(Wir sind alle auf Reise zu einem Land, den wir früh genug erreichen. Auf überwachsenen Pfaden.)
6 August. Rechtsanwalt Cato Schiøtz: Ein Wiedersehen mit den Fällen gegen Knut Hamsun; ein spannender Erläuterung diesen berühmten Falles.
Das Verlagshaus Gyldendal hatte nach Ingars Biographie eine Recherche dieses Falles in Auftrag gegeben und hatte die Ergebnisse veröffentlicht als ihr Geschenkbuch zu Weihnachten, was mich sehr gut gefiel. Laut dieser Untersuchung wurde dem Angeklagten den Zweifel über die angebliche Mitgliedschaft in der NS - was Sache dieses Entschädigungsprozesses war - nicht zu Gute gerechnet. Hätte aber ein Strafrechtlicher Prozess statt gefunden, wäre das Ergebnis wahrscheinlich das Gleiche geblieben - eine hohe Geldstrafe.
Ich weiß nicht warum, aber die Zeit vergeht wie im Flug jedes Mal wenn ich kluge Wörter über Hamsun höre.
Danach war Ingar Sletten Kolloen dran und er erzählte in seiner übliche fließender Art über Hamsun - Krieg und Frieden. Wieder eine bereichernder Vormittag.
Lektor und Autor Nazneen Kahn: Muslim sein in Norwegen. Wieder ein aktuelles Thema. Das Wetter ist einigermaßen in Ordnung, trocken aber kühl. Doch, ich schaffte es Lunch und Kaffee mit den barschen Wikinger zu essen, draußen! Aber ich fror trotzdem.
Nach einer Spaziergang in der Stadt zwischen Touristen und drohende Regenwolken fuhren wir Nachmittags zur Tor Jonsson-Haus, wo ich nach Besichtigung der kleinen Räume versuchte mich vorzustellen wie dieser eigenwillige Mann gelebt hatte, und dann im Nieselregen draußen Håvard Teigen zuhörten, der den diesjährigen Tor Jonsson Vortrag hielt.
Viele seiner Gedichte kenne ich jetzt wieder u.A. diese kluge und aussagekräftige Wörter:

"Nærast er du når du er borte
Noko blir borte når du er nær.
Dette kallar eg kjærleik.
Eg veit ikkje kva det er."

(Am nähesten bist Du wenn Du fort bist / etwas geht verloren wenn Du nah bist. / Das nenne ich Liebe. / Ich weiß nicht was es ist.)

Mehrere Veranstaltungen wurden jetzt geboten:
Marlo Gemeindehaus, Die Theatergruppe des U.L.Fram: Die Brautkrone von Tore Ørjasæter.
Im Reiche Jan Magnus Bruheims und Tore Ørjasæters. Leiter Bård Hanem. Treffpunkt Marlo Gemeindehaus.
Sota Sæter: Lokale Spezialitäten: Rømmegraut und spekemat. Volksmusik und Lyrik. Aslak Opsahl Brimi, Linda Gytri und Yngve Aukrust. Ja die Musik hätte ich gerne gehört aber das Essen - ich bin zu wählerisch!!
Lom Stabkirche. Erzählerin Tone Bolstad Fløde - Eine Erzählung in Wort und Musik, Auszüge aus Stavkjerringa von Vera Henriksen, die auch in der Kirche anwesend war.
Ja, es gab viele und verlockende Angebote aber meine Wahl fiel auf Fossberg Hotel: Literarischer Nachtbad mit dem Gastgeber und Journalist Ingolf Håkon Teigene. Drei zentrale norwegische Autoren erzählten über ihren Neuveröffentligungen in diesem Herbst u.A. Olaug Nilssen und Levi Henriksen.
Ja, und ich hatte wie immer viele und interessante Gespräche über Hamsun.
Und es regnete nicht nur - es war die Sintflut.
Jetzt kam der Tag, den ich zugleich erwartete und fürchtete, der Tag wo ich mein Vortrag hallten sollte. Wäre ich gewohnt früh aufzustehen, hätte ich Professor Asbjørn Aarnes um 9Uhr erleben können als er auf Nordgard Aukrust erzählte über Olav Aukrusts Werke mit Musikalische Intermezzi von Synnøve Rognlien, aber da war ich noch beim Tee bei Torunn und sah mich die drohenden Regenwolken an, die sich ab und zu über uns entluden; komisch dass Lom Norwegens Sahara genannt wird.
Statt dessen vergnügte ich mich mit einigen von Olav Aukrusts wunderschönen Gedichte aus seiner Sammlung:

DJUPNI OG HØGDI
Staa paa det ytste stup,
stire n'i vanvit-sinnet,
kjenne det sugande djup
ottast at draken skal vinne -
kjenne den glyfsane eld fraa eit gloande
angest-glup.
kjenne det dragande sog fraa eit sjodande
vanvitdjup!

Himalaja ris over hav
kløyvande skoddi og vinden.
Og Golgatha ris over grav.
Og elsken nærer sitt liv under sorger
so tunge som Hav,
og himmelhøg kjærleiken ris over
vanvit og rædsle og grav.

Ein außergewöhnliches und feierliches Erlebnis erwartete uns jetzt, das Gottesdienst unter freiem Himmel an der Stelle wo die alte Garmo Stabkirche stand, bevor sie nach Freilicht Museum Maihaugen versetzt wurde.
Ein seichter Regen und ein wunderschönes Licht versetzten uns allen in eine besondere Stimmung.


Leif Hamsun und Torunn Kjøk

Unter den Regenschirmen lauschten wir die Ansprache des Pfarrers Rolf Steffensen aus Hamarøy, der über Lukas 18.9-14 predigte, seine schöne und warme Wörter gingen uns zu den Herzen. Es ist ein unglaublich warmes Gefühl genau hier zu stehen wo Knut Hamsun getauft wurde, als ob die Jahre verschwanden und wir in Gedanken dabei waren.


Rolf Steffensen und Knut Kjøk

Dann hatte die Stunde geschlagen, ich war dran. Das Wetter war nicht für ein Freilicht Ereignis, aber statt der Garten im Hof über Hamsuns Geburtshaus auf Garmotræet, hatte man die Wohnzimmer geräumt und wir wimmelten rein in den guten und warmen Stuben und wurden mit Kaffee und Kuchen versorgt.


Kirsten Hedvig Rasmussen mit Knut Kjøk und Dag Gården

Torunn Kjøk hieß uns Willkommen und Knut Kjøk und Dag Gården machten eine gute Stimmung mit ihren schönen Musik und netten Wörter von Torunn Kjøk. Dann rieselte ich meine dänische Wörter und Faszination über Knut Hamsun über den Anwesenden. Sie können meinen Vortrag in extenso hier lesen: Vortrag.
Die Tage der Dichter waren jetzt zu Ende. Ein großes Danke Schön gebühren Torunn Kjøk und die Hamsun-Gesellschaft in Lom sowie die Tor Jonsson Gesellschaft für das hervorragende Programm, ja ich komme ganz bestimmt in zwei Jahren wieder nach Lom.

.

IBSEN UND HAMSUN TAGE IN GRIMSTAD: 11-14 AUGUST 2005

Die Zeit zum Abschied nehmen von Torunn und Garmo war gekommen, unter Sonne und drohende Regenwolken setzte ich Kurs Richtung Südnorwegen nach Grimstad, wo Ibsen und Hamsun sich wieder vereint und gemeinsam finden, zu unser alle Freude.
Ja, Stimmung kam auf mit der Vorfreude auf die bevorstehende Ibsen und Hamsun Tage.
11 August wurde mit Ibsens "Ein Volksfeind" eröffnet. Eine dramatisierte Lesung mit Bjarte Hjelmeland, Per Chr. Ellefsen, Kjersti Elvik und Jan Martin Johnsen. Danach gab es eine Debatte über Redefreiheit. Das hörte sich ja verlockend an, aber ich zur selben Zeit eine Einladung zu einer Vernissage von Bengt Petter Hanssens Ausstellung zu Knut Hamsuns "Der Wilde Chor" in Riemannsgården und das war noch verlockender, so ich wußte sofort was ich wählen wollte. Steht die Wahl zwischen Hamsun und Ibsen, dann verzeih mir Ibsen, ich weiß was ich immer wähle!
Rechtzeitig startete "Nagel" und ich von Mariannes Haus Richtung Grimstad. Ich habe ja so oft Mariannes private unebene Kies/Steinweg passiert und ich hatte ja neue Reifen, ja Guten Morgen, nach eine Berührung mit einem Stein war der Luft aus dem vorderen Reifen; da stand ich mit Gerts Wörter in den Ohren: Was tust du, wenn du einen Platten hast? Ja, was tat ich? Ich rief gute Freunde an, wurde Abgeholt, das Auto konnte warten.

Reidar Marmøy

Wir erreichten rechtzeitig die Vernissage, wo Reidar Marmøy einige sehr weise und persönliche Wörter an Bengt richtete. Und die Bilder, ja die waren hervorragend als ob die Frauengestalten, die ich so mochte, die Bilderrahmen sprengten und in die Gedichte aufgingen.

O væk mig i morgen, du blanke Sol
for Lina er tidlig på Fode

Hun går med sin rive på Engen ud,
en Særk og et Skørt er den Piges Skrud,

men Øiet er blaat som den blå Viol
og kruset og bart hendes hode.
 

De Fodspor i Duggen gir god Besked
jeg følger dem lige til Grinden.
God Morgen min Pige, idag som igaar!

Da lyder en Kalden, hun ryger adsted,
men kysser mig gerne forinden.
 

Jeg takker dig Lina. for alt jeg fik,
hver Morgen med Sol i Østen.

Vel kaldes du bort når den Kalden lød,
for Lina, det var jo din kærest du snød.
Men mig gav du Lov med dit første Nikk -
med ham staar du brud til Høsten.

Nachdem unsere Augen und Sinne gesättigt waren, wurden auch der Hunger gestillt, über Käse, Kekse, Wein und Wasser hatten wir allen gute Gespräche. Dann fuhren Reidar und ich zu "Nagel", der auf ein neues Rad wartete und da fing es natürlich an zu regnen! Das störte Reidar wenig, er wechselte das Rad und sah sogar vergnügt aus! Dann zu ihm nach Hause auf einen heißen Kaffee, bevor ich wieder zu Marianne fuhr auf das komische dünne Rad,das schnellstens gewechselt werden mußte,. Also nächsten Vormittag in die Werkstatt.
Nach einen guten Schlaf war ich bereit für neue Erlebnisse. "Nagel" wurde in einem Werkstatt geparkt und ich ginge zu Fuß zur Stadtmitte, wo die Hamsun-Freunden nach und nach auftauchten.Eigentlich wollte ich im "Literarische Café" teilnehmen mit dem spannenden Programm Professor Bjørn Hemmer in Gespräch mit Steinar Berthelsen, Åmund Feidje und Per Chr. Ellefsen über das Radiotheater. Aber statt dessen ergab sich andere Gespräche in einer andere Art von Café mit den Hamsun-Freunden, es ist so ein warmes Gefühl wenn wir uns wieder treffen, sicher mit Ursprung in unsere gemeinsame Liebe zu und Interesse für Hamsun.
Um 13Uhr war stand ein spannender Exkursion auf dem Programm, "In Knut Hamsuns Fußstapfen über Mølleheia zum Briefkasten", mit Bjørn Kristian Pedersen als Guide.
Ich ging mit der ganzen Truppe zum Ausgangspunkt beim alten Krankenhaus, wo auch Torunn aus Garmo eingetroffen war sowie Uwe aus Marburg. Ich schaute alle nach als der Aufstieg begann, aber mein Bandriss wollte nicht dass ich mitginge. War nicht weiter schlimm, da ich die Route schon mehrmals begangen habe. Statt dessen ging ich mit Mons Fuhr, der mir seinen Weinkeller mit Hamsun Wein und Hamsun Bücher mit Hamsuns Signatur zeigte. Ein schönes kleines extra Erlebnis. Ich hatte auch Zeit Nagel (mittels 1000 Kronen) von der Werkstatt frei zu kaufen bevor ich mich zu den anderen wieder gesellte; zu dieser Zeit waren so viele bekannten Gesichter da. Schön, und das Wetter auch. In purer Sonnenschein setzten wir uns draußen um etwas zu essen. Diese Idee hatten auch viele Andere, so es gab ein Chaos an der Bar wo was zu bestellen war.
Dann war die Zeit für das nächste große Erlebnis. Zusammen mit unglaublich viele Menschen standen wir auf den Rasen vor dem Riemannsgården um Kjell Stormoen zu hören als er von "Auf überwachsenen Pfaden" ließ. Marianne Hamsun war auch dazu gekommen und horchte mit uns die bekannte, immer faszinierende und immer wieder neue Erzählung:

"Men en dag har jeg ingen cigar mere, hvad så? Da slutter jeg å røke, slutter. Det har jeg gjort tre ganger før, et år om gangen, fra dato til dato. Jeg vil være såpass herre over meg selv at jeg slutter. Godt. Men jeg begynder jo igjen, hvad er da det hele til? Jeg vil være såpas herre over meg selv at jeg også begynder igjen."
(Paa gjengrodde stier).

(Aber eines Tages habe ich keine Zigarre mehr, was dann? Dann höre ich auf zu rauchen, Ende. Das habe ich drei Male schon gemacht, jedes Mal ein Jahr, vom Datum zum Datum. Ich will so viel mein eigener Herrscher sein, dass ich aufhöre. Gut. Aber ich fange ja wieder an, wozu soll es dann gut sein? Ich will so viel mein eigener Herrscher sein, dass ich auch wieder anfange. Auf überwachsenen Pfaden.)

Es war als ob Knut Hamsun durch Stormoens Stimme sich direkt an uns wandte. Ein unglaublich stimmungsvolles Erlebnis.

Kjell Stormoen

Nach ein musikalisches Intermezzo hielt Reidar Marmøy eine wunderschöne Anrede, zuerst an Kjell Stormoen und dann an Bengt Petter, niemand kann wie Reidar genau die richtige und warme Wörter finden. Die Ausstellung war dann offiziell eröffnet und alle Leute wimmelten hinein, ja man musste in Gruppen eingelassen werden, so viele Interessenten gab es und die Kauflust war auch da; bald leuchteten rote kleine Aufkleber neben fast alle Bilder.
Der Rest des Abends wurde in Gesellschaft alle Hamsun Freunde verbracht, und viele gingen auch zum letzten Teil des Programmes am 22.30 auf Kirkeheia, wo Chr. Ellefsen "Eventyr i natten"
(Abenteuer in der Nacht) ließ. Der Himmel var dunkel und warm und die Stimmung abenteuerlich, ich ging aber bestimmt nicht hin, es waren ausgerechnet 3 Abenteuer von H.C.Andersen, die verlesen wurde. Ich habe eine Allergie gegen diesen Andersen!
Es wurde wohl ein bißchen spät als ich zu Marianne fuhr um zu schlafen, mit frommen Wünsche Richtung "Nagels" neue Reifen und die scharfen Steine. Wir kamen ohne Zwischenfälle durch..
Immer wunderschönes Wetter und der neue Tag lädt zu neuen Höhepunkte im Rathaus.

Cato Schiøtz

Ein voller Saal waren zu neue Erlebnisse beriet. Zuerst der Urteil gegen Knut Hamsun beim Obersten Gerichtshof, mit Cato Schiøtz, ein Thema das ich gerade in Lom gehabt habe, aber trotzdem interessant der Vortrag mit seinem vorsichtigen Konklusionen:

"At alle spørgsmål om tvivl ikke kom Hamsun til gode, og vi mener at Hamsun ikke var medlem af NS. Som vi ser det skulle han have nydt godt om det faktum at der var tvivl om det", sagde Schiøtz. "Men hvis der var blevet straffesag? Han havde næppe havnet i fængsel. Men kanske han havde fået 325.000 kr i bøde, og på den baggrund var dommen i erstatningssagen ikke urimelig."

("Dass alle Fragen über berechtigtem Zweifel nicht Hamsun zu Gute kam, dass wir meinen dass Hamsun kein NS Mitglied war. Als wir es sehen sollte er vom Zweifel profitiert haben", sagte Schiøtz. "Aber was wäre wenn es ein Strafgericht berufen worden wäre? Er wäre wahrscheinlich nicht in Gefängnis geendet. Aber er hatte vermutlich ein Bußgeld von 325.000 Kronen bekommen, und so gesehen war der Urteil im Schadenersatzfall nicht unangemessen.)

"Jeg holder det almindelige omdømme nokså høyt. Jeg holder vårt norske rettsvesen enda høyere, men jeg holder det ikke så høyt som jeg holder min egen bevissthet om hva som er godt og ondt, hva som er rett og galt. Jeg er gammel nok til å ha en rettesnor for mig selv, og dette er min." (Paa gjengrodde stier).

(Ich schätze den gesunden Verstand sehr hoch. Ich schätze unseren norwegische Gerichtswesen noch höher, aber ich schätze es nicht so hoch wie ich meine eigene Bewusstsein über was Gut und was Böses ist, was Richtig und was Falsch ist. Ich bin alt genug um ein Richtschnur für mich selber zu haben, und dies der meiner. Auf überwachsenen Pfaden.)

"Henkt den Kindermörderinnen!" hieß der nächste spannender Vortrag. Karinna Bjellås Gilje gab uns Einblick in Knut Hamsun als Polemiker und Zeitungs Debatteur mit Ausgangspunkt in ihre Dissertation über Hamsuns Schreiben in 1915. Ein absolut spannende Seite an Hamsun, der selten in den unterschiedlichen Seminare angesprochen worden ist. Keiner konnte wie er so starke Wörter benutzen wenn er erst in Fahrt kam. Und in einer Debatte klein zu geben, niemals. Da muß man in seiner Romane nachlesen wie hier in Segen der Erde von 1917 um ein nuancierter und verstehender Hamsun zu finden.


Karinna Bjellås Gilje und Kirsten Hedvig Rasmussen (Foto: Karin Engh, Grimstad Adressetidende)

Vier Hamsun Biographen!! Robert Ferguson, Lars Frode Larsen, Ingar Sletten Kolloen und Jørgen Haugan in Gespräch mit Rolf Steffensen.
Eine hervorragende Idee die Vier zusammen zu bringen und deren Unterschiede und unterschiedliche Auffassungen von Hamsun zu präzisieren, hervorragend von Rolf Steffensen moderiert. Ja, man erfuhr schon die unterschiedlich Auffassungen von Hamsun aber doch noch mehr von die Persönlichkeiten der vier Biographen! Sehr interessant!


Robert Ferguson, Lars Frode Larsen, Ingar Sletten Kolloen und Jørgen Haugan (v.L.)

Zeit für eine Mittagspause und ein Gespräch im schönen Sommerwetter bevor wir alle die Busse und das Boot nach Kvaløya nahm, wo Meeresbiologe Per Bie Wikander über "Auf zwei Fuß Wasser" plauderte. Ein wunderschönes Erlebnis hier zu sitzen mit Waffeln und Kaffee und die unglaublich schöne Aussicht über die Häuser die verteilt auf den Schären liegen und die Boote schaukelnd mit gehißten Flaggen. Was für eine Idylle. Und selbstverständlich hatte ich meine Kamera vergessen!
Wir setzten uns am Strand auf Steinen und den Hang hinauf, es sah bestimmt aus wie ein dicht besiedelter Vogelfelsen.
Wir horchten nun, viele mit Tränen in den Augen, Monica Hjelle, die mit großer Ernst "Terje Vigen" vortrug für ein hellhöriges Publikum, ja es ist jedes mal ein Erlebnis.
Meine Gedanken gingen da zu dem Erlebnis als man Knut Hamsun Terje Vigen vortragen hörten!! Ja, es stimmt - er hat es wirklich gemacht.
Wir müssen Johan Filseth danken, dass dieser Ereignis bekannt ist. Während des Ersten Weltkrieges und bevor Hamsun den Nobelpreis bekam schrieb Filseth über Hamsun in Toten. In der Zeitung Aftenposten vom 5. Februar 1916 konnte man lesen:

" I julen 1881 hadde jeg bestemt meg for å besøge min gamle mor på Frøisland, og jeg spurte Hamsun om han hadde lyst å slå følge. Det ville han gjerne, og i det prektigste vær og føre hadde vi en storartet sledereise.
På Frøisland ble alle inntatt i Hamsun, og særlig var mor begeistret for ham. I et selskap hvor flere var samlet, ba jeg ham deklamere et eller annet for oss.
"Hvor skal jeg anbringe meg da?" spurte han.
"Stig opp på skamlen her," sa jeg, og det gjorde han.
Så leste han "Terje Vigen", så tårene piplet frem i mange kvinneøine."

(Weihnachten 1881 wollte ich meine alte Mutter auf Frøisland besuchen, und ich fragte Hamsun ob er mitkommen wollte. Das tat er gerne, und im schönsten Wetter hatten wir eine großartige Schlittenfahrt. Auf Frøisland wurden Alle von Hamsun angetan und ins besondere meine Mutter war von ihm begeistert. Während einer Gesellschaft bat ich ihn für uns etwas auf zu sagen. "Wo soll ich mich hinstellen?", fragte er. "Steig auf dem Schemel hier", sagte ich, und das tat er. Dann rezitierte er "Terje Vigen" so, dass manche Frauenaugen feucht wurden.)

Hier die letzten Verse:

Lorden kom, og mylady med,
og mange, mange med dem;
de rysted hans hånd til farvel og Guds fred,
der de stod i hans ringe hjem.
De takked for frelsen da stormen peb,
for frelsen fra sjøgang og skær;
men Terje strøg over barnets slæb:
"nej, den som frelste, da værst det kneb, det var nok den lille der?" - -

Da yachten drejed for Hesnæs-sund,
den reiste det norske flag.
Lidt længere vest er en skumklædt grund, -
der gav den det glatte lag.
Da tindred en tåre i Terjes blik;
han stirred fra hejen ud:
"stort har jeg mistet, men stort jeg fik.
Bedst var det,kanhænde, det gik som det gik,-
og så får du ha'e tak da, Gud!"

Ja, Hamsun konnte sein Ibsen und mochte ihn!!! sonst hätte er wohl nicht ausgerechnet Terje Vigen vorgetragen!! Ja dieser Hamsun, er ist und bleibt ein Rätsel und Gott sei dank.
Dann waren einige von uns auf S/S Solvik eingeladen zu eine zwei Stunden dauernde Fahrt, wo wir Durst und Hunger mit Fisch, Käsebrötchen, Schinken und Wasser und Wein stillten.
Nach einen unvergesslichen Nachmittag legten wir in Grimstad an und gingen zur Apotekergården, wo wir "Ibsens gesammelte Werke in 68 Minuten" sahen, ein humorvolles Stück mit Monica Hjelle, Bjarte Hjelmeland und Jan Martin Johnsen. Musik Stian Carstensen. Ein sehr amüsantes und interessantes Erlebnis.
Am nächsten Tag wartete die letzte Veranstaltung: "Während wir warten". Und was für ein Schlußstrich, Reidar Marmøy nahm uns auf eine philosophische Wanderung und erzählte über die Hintergründe und die Interpretationen des Künstlers zu Knut Hamsuns Gedichte aus "Der wilde Chor". Ein großes und intenses Erlebnis.
Die Zeit war dann gekommen um Abschied von Marianne zu nehmen. Voll getankt mit Erlebnissen setzte "Nagel" und ich Kurs Richtung Fähre Kristiansand - Hirtshals und kamen bei meinen Schwestern in Dänemark an.
Nachdem Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und gute Wünsche geladen waren, sagte ich Tschüs zu den Zwei- und Vierbeinern und fuhr Richtung Süden und kam nach den bekannten Fahrt auf der Autobahn in Karlsruhe an.

Ola Veigaard

Wieder hatte es so viele und unvergessliche Erlebnisse, ein herzliches und tief empfundenes Danke Schön an Ola Veigaard und die Hamsun Gesellschaft in Grimstad und an die Ibsen Gesellschaft für ein unglaublich spannendes Programm, das unsere Seelen bereicherte und uns etwas weiser gemacht hatte. Wir können es kaum erwarten nächstes Mal wieder zu kommen.
Hedvig Rasmussen.


© Kirsten Hedvig Rasmussen www.hamsun.at